Fikir7 Manset Haberler

13 Nisan, 2007

Dschihad, "made in Germany"

Wie Max von Oppenheim versuchte, den "Heiligen Krieg" für die Ziele des deutschen Imperialismus einzuspannen
Von Wolfgang G. Schwanitz* Zwei Monate nach Beginn des Ersten Weltkrieges stimmte Kaiser Wilhelm II. dem großen Dschihad-Plan Max von Oppenheims zu. Dieser trug den Titel »Die Revolutionierung der islamischen Gebiete unserer Feinde«. Seine 136 Seiten waren streng geheim und sind noch heute wenig bekannt. Der Diplomat Max von Oppenheim, der länger im Orient gelebt hatte und ägyptisches Arabisch sprach, wollte »feindliche Europäer« in einer gemeinsamen deutsch-osmanischen Aktion an ihrer Schwachstelle treffen: den Kolonien. Er versuchte daher, den Dschihad, d.h. den Heiligen Krieg der Mohammedaner zur Verteidigung und Ausbreitung des Islams, in Afrika und Asien auszulösen. War by revolution Baron Max von Oppenheim ging es darum, durch Unruhen das »koloniale Hinterland unserer Feinde« zu destabilisieren und mithin die Hauptfronten für die Deutschen zu entlasten. Briten nannten diese Taktik »war by revolution«. Oppenheims Plan war eine Gebrauchsanweisung: Der osmanische Sultan-Kalif möge den Dschihad allein gegen bestimmte Feinde ausrufen. Die Türken sollten die Krieger, die Deutschen Geld und Berater stellen. Im Berliner Auswärtigen Amt sollte eine Nachrichtenstelle gegründet werden, um Aufrufe zum Dschihad und die Propaganda zu lenken. Der Baron schreckte vor nichts zurück. So sollten Waffen bis nach Indien geschmuggelt, die Ölfelder Bakus als Fanal einer antirussischen Erhebung der Muslime entflammt, wenn geboten Politiker beseitigt und gegebenenfalls der Sueskanal als Schlagader des Britischen Empires vermint werden. Geld dürfe gar keine Rolle spielen, wenn Berlin den Osmanen Mitarbeiter und Material stelle. Nur wenn die Türken in Ägypten einzögen und in Indien lodernde Aufstände brennten, würde London mürbe werden. Das islamische Eingreifen werde für England ein furchtbarer Schlag. »Tun wir alles«, lautete sein Fazit, »damit er tödlich wird.« Der Diplomat notierte nur, was viele im jungen »Türkenfieber« hofften. Denn plötzlich sahen Deutsche im allgemeinen Kriegsrausch im Islam eine rettende Macht. Dies zeigte Oppenheims Zeit- und Gesinnungsgenosse Ernst Jäckh. Der Professor und Türkeiexperte schrieb in seinem Buch »Aufgehender Halbmond« Anfang November 1914, knapp eine Woche vor dem Kriegseintritt der Türkei: »Wer in diesen Tagen in Konstantinopel in die Räume des Generalissimus Enver Pascha hineinblicken konnte, der konnte dort die Abgesandten der fernsten und wildesten Stämme aus Afrika und aus Asien sehen, freudig bereit zum Schwur auf das Schwert des Kalifen, das gegen Rußland, gegen England und gegen Frankreich ausholt für Deutschland; der mußte aber auch über die weitreichende Organisation staunen, die den Islam bereits belebt und stärkt.« Während Kriegsminister Enver Pascha den Dschihad-Aufruf (als Fatwa des obersten Muftis) Mitte November 1914 nach dem Kriegseintritt der Osmanen verbreitete, gründete Oppenheim im Auswärtigen Amt die Nachrichtenstelle für den Orient. Er leitete die Stelle, die ein Dutzend vom Militärdienst befreiter Beamte und Akademiker zur Dschihad-Aktion »in den Sprachen und in der Psyche von Orientalen« vereinte. Sie zogen auch einheimische Lektoren und islamische Redner heran, unter ihnen der Gelehrte Abd al-Aziz Shawish und der Scheich Salih ash-Sharif at-Tunisi. Zudem suchte die Stelle Kontakte zu vielen jungen Nationalisten, die ihre Länder wie der Inder Mahendra Pratap entkolonialisieren wollten. Die Nachrichtenstelle für den Orient edierte wöchentlich das Blatt Al-Dschihad, auch für gefangene Muslime bei Wünsdorf und Zossen, und ein zweiwöchiges Korrespondenzblatt. Deutsche Konsulate hatten den Dschihad zu fördern, wozu im Osmanisch Reich 37 Lesesäle entstanden. Expeditionen zogen mit deutschen Militärs und einheimischen Führern durch Palästina nach Iran und Afghanistan, um im kolonialen Hinterland die islamistische Revolten zu entfachen. Solchen Sonderaufträgen gingen Otto Werner von Hentig, Wilhelm Wassmuss und Oskar Ritter von Niedermayer nach. Sie suchten Iran und Indien zu revolutionieren, um damit das Britische Reich zu treffen. Angehende Diplomaten wie der Übersetzer Fritz Grobba kämpften in Palästina als Asienkämpfer gegen Lawrence von Arabien, der auf der britischen Seite arabische Stämme gegen das osmanisch-deutsche Heer anführte. Gescheiterte Kooperation Das Ungewöhnliche des Dschihads, »made in Germany«, bestand in einer neuen Kombination. Muslime führten nun nicht mehr den herkömmlichen Glaubenskrieg zur Verteidigung oder zum Angriff gegen alle Ungläubigen. Vielmehr mußten sie an der Seite von Ungläubigen gegen andere Ungläubige kämpfen. In Envers Auftrag kommentierte das Novum der erwähnte Scheich Salih. Der Gelehrte, der sich als aus der Familie des Propheten Mohammed kommend auswies, erläuterte den islamistischen Dschihad. Seinen Text edierte die Deutsche Gesellschaft für Islamkunde in Berlin ein halbes Jahr nach dem Beginn des Weltkrieges. Darin hieß es: »Der osmanische Sultan-Kalif führt diesen Kleinen Dschihad mit Bundesgenossen, vor allem Deutschen, gegen die Feinde des Islam, die Briten, Franzosen und Russen.« Dies sei nun eine individuelle Pflicht auch für Muslime im Feindheer, die den Dschihad gleich gegen ihre Herren kehren sollen. Der Dschihad werde antikolonial und national geführt. Das war kühn. Der Scheich erhob den Dschihad von einer allgemeinen Pflicht, die immer besteht, solange es noch nichtislamische Gebiete gibt, zur individuellen Pflicht. Indirekt nahm er den Zerfall des Osmanischen Reichs in Nationen vorweg. Das kam Muslimen, die an die höhere Einheit des Kalifats gewöhnt waren, fremd vor. Andererseits sollte dieser kriegerische Panislamismus, in dem nur gewisse Ungläubige als Feinde des Islams galten, eine einigende Klammer gegen die Tendenzen eines nationalistischen Zerfalls des Reichs der Osmanen bilden. Zugleich erinnerte Scheich Salih an die alte Unterscheidung zwischen dem Großen und dem Kleinen Dschihad, die auf den Propheten Mohammed zurückgeführt wird. Demnach sei der Kleine Dschihad die kriegerische Wiederherstellung oder Ausweitung der Herrschaft des Islams sowie das Töten der Feinde. Der Große Dschihad aber bedeute, mit der eigenen Seele um innere Selbstüberwindung zu ringen, um niedere Leidenschaften abzuwenden und vorzügliche Sitten zu erwerben: die Hebung der Seele von der viehischen Niedrigkeit zu engelhafter Höhe. Doch zu Beginn des Ersten Weltkrieges ging es darum, die Lehre vom Kleinen Dschihad an die Fronten anzupassen. Hier trafen sich Oppenheims und Scheich Salihs Ansinnen. Der Deutsche dachte im Berliner Interesse daran, den kolonisierten Orient durch die Muslime »befreien« zu lassen. Der Araber sah in einem islamistischen Dschihad das Mittel dafür. Oppenheim stand in der Tradition. Die Deutschen waren den kolonialen Imperien ihrer Nachbarn kritisch und durch ihre Dichter dem Islam freundlich gesinnt. Ihnen erschien dies als »Befreiungskampf« (eine Losung übrigens, welche die Nazis mit der These von »natürlichen Bündnispartnern« erhärteten). Auch der Scheich sah sich im Recht, denn die Europäer hätten die Länder des Islam entweiht, wirtschaftlich zerstört und politisch in das Chaos geführt. Also müsse man jetzt mit den Osmanen und (ungläubigen) Bundesgenossen durch den Dschihad die Ungläubigen vertreiben. Dieser Ansatz zur Destabilisierung von Gebieten hinter den Fronten fand seine Parallele im deutschen Versuch, Rußland im Krieg durch Revolutionierung zu schwächen. Aber nicht nur durch die Muslime am Rande des russischen Reichs, sondern auch durch die Bolschewiki im Zentrum. Doch im Gegensatz zum Erfolg letzterer enttäuschte die Aktion der Muslime ihre Planer. Gewiß, der Dschihad begeisterte einige Afrikaner in Deutsch-Ostafrika. Manche sollen sich zum Islam bekehrt haben. Benachbarte Briten sorgten sich, aus dem Dschihad könne wie am Nil – »Ägypten den Ägyptern« – ein »Afrika den Afrikanern« werden. Aber dies betraf einen Nebenschauplatz. Anderenorts wurden die Alliierten durch Desertionen verunsichert. Doch viele Muslime ignorierten den Dschihad, so daß es ein kaum faßbares Ergebnis gab. Deutsche Militärs kamen schließlich zu dem Schluß, daß es illusorisch gewesen war, sich von Dschihad und Fatwa eine kriegsentscheidende Wirkung zu erhoffen. Spätere Islamisten führten in die Lehren des Glaubenskrieges vier Neuheiten ein: Der »große Satan« sei der Westen und speziell die USA. Dschihad dürfe auch gegen Zivilisten im Aus- und Inland geführt werden, darunter in Israel (wie üblich hatte Scheich Salih Dschihad gegen Alte, Frauen und Kinder verboten, ebenso, diese zu verstümmeln und zu töten, es sei denn, sie kämpften wie erwachsene Männer mit Waffen) – dann sahen Muftis Selbstmord als Mittel des Dschihads an. Schließlich erklärten Führer von Islamisten wie Osama Bin Laden nach dem Kalten Krieg einen globalen Dschihad gegen »Christen und Juden«, bis die Welt islamisch werde. Muslime unterm Hakenkreuz Zum zweiten Fall, in dem Berlin Islamismus verbreitet hat. Der deutsche Abu Dschihad, Max von Oppenheim, legte 1940 dem Auswärtigen Amt seinen kleinen Plan der Revolutionierung islamischer Feindgebiete vor. Da es so schien, als könne der Mittlere Osten der nächste Kriegsschauplatz werden, spitzte er es antibritisch zu, zumal die Franzosen ausgeschaltet und die Russen noch nicht im Krieg waren. Aber die Türkei hatte das Kalifat abgeschafft, auch die islamische Leitfigur. Ankara blieb neutral. Die Lücke füllte Jerusalems Großmufti Amin al-Husaini. So hatte es Oppenheim geplant. Er schlug die »Revolutionierung« Syriens vor. Von dort sollte der Funke in den Irak, nach Transjordanien, Palästina und Saudi-Arabien überspringen. Britische Truppen seien zu binden, ihre Ölversorgung sowie der Sueskanal zu blockieren und letztlich die britische Vorherrschaft im Vorderen Orient zu brechen. Der Gesandte Fritz Grobba sollte von Damaskus aus den Raum revolutionieren. Als bekannter Gegner Englands sei sein Name ein Programm, sein Auftauchen ein Fanal nicht nur für Syrien, sondern für alle Araber. Diese warteten wie der Irak nur auf einen deutschen Wink, um gegen England vorzugehen. Dr. Grobba sei mit dem Mufti von Jerusalem befreundet, der eben in Bagdad weile. Im Irak sei der Außenminister Nuri as-Said zu beseitigen, eventuell mit Gewalt. Geplant, getan. Ende April 1941 putschte sich Rashid Ali al-Kailanis an die Macht. Doch die Briten schlugen seinen Coup einen Monat später nieder, zumal die deutsche Luftunterstützung im Sonderunternehmen Irak spät und halbherzig kam. Der Mufti und Iraks Expremier lebten bald als Regierungsgäste in Berlin. Dort bot der Mufti Hitler eine arabische Legion an, rekrutierte Muslime unter dem Hakenkreuz und rief im Radio zum Dschihad gegen »Briten und Juden« auf. Vier Jahre lang beschwor Amin al-Husaini von Berlin aus das arabische Märtyrertum. Das Motto: Fremde raus aus Arabien, Stopp der jüdischen Einwanderung. Doch alles half nichts, bei Stalingrad und al-Alamain gingen alle Pläne der Nazis und ihrer Helfer unter. Hitler meinte in seinen letzten Tagen, »ein kühnes Bündnis mit dem Islam« versäumt zu haben. Großer statt Kleiner Dschihad Auch wenn Deutsche den Dschihad nicht erfunden haben, so instrumentalisierten sie ihn doch in den Weltkriegen. Oppenheim sowie Osmanen und muslimische Würdenträger hielten zum politisierten Glaubenskrieg an. Dies geschah im ersten Fall durch Rede und Schrift, im zweiten Fall kam das Radio hinzu. Im Kalten Krieg halfen die Westeuropäer und Amerikaner »ihren« Islamisten je nach Opportunität. Die Staaten des Warschauer Vertrages folgten in bezug auf Ajatollah Khomeinis Iran der neuen Linie des Kreml, wonach sich der Fortschritt auch unter dem Banner des Islams entfalten könne. In Afghanistan hatten sich Muslime mit den US-Amerikanern gegen die Russen verbündet. Einige Islamisten wie Osama Bin Laden entsagten nach dem Abzug der Sowjetarmee aus Kabul und dem Niedergang der UdSSR, die sie für sich verbuchten, den Pakten mit Ungläubigen. Nach dieser »Rückkehr zu reinen Ursprüngen« der Dschihad-Lehren, die im Internet verfolgt werden kann, wenden sie den Ungeist des Glaubenskriegs gegen die Erben jener, die ihn in heißen und kalten Kriegen als »panislamischen Befreiungskrieg« heraufbeschworen hatten. Deutsche Akademiker, Diplomaten und Militärs um Max von Oppenheim gehören mit ihren Partnern zu Vätern des Islamismus. Es bedarf vieler Mühen im Westen, die Werte der Aufklärung zu sichern, die nicht nur im Dschihad, »made in Germany«, verspielt worden sind. Und im Orient? Dort wäre es eine echte Revolutionierung, wenn sich viele Muslime in ihrem Alltag auf den Großen Dschihad besinnen, dem Kleinen Dschihad und radikalislamischen Lehren entsagen würden. So könnten sie die Islamisten in einer großen Religion auf den Platz verweisen, der diesen zusteht: an den Rand des Spektrums. Noch drücken Extremisten dem Islam ihren Stempel auf. Tritt jene moderate Umwälzung im Innern der betreffenden Gesellschaften ein und finden Menschen der islamischen Räume zu ihrer kongenialen Moderne, dann vermögen die Kinder der Aufklärung und des Großen Dschihads in Frieden miteinander zu leben. * Der Beitrag wurde veröffentlicht in der "jungen Welt" vom 30. März 2004

Irkcilk ve Enver Pasa(ittihadciar)

16
13.04.2001

Torsten Pawlich
Der osmanische Volkskörper


Start Service Recherche
MILITANTER NATIONALISMUS ALS STAATSTUGENDBis heute leugnet die Türkei offiziell den Massenmord an Hunderttausenden Armeniern während des Ersten Weltkrieges
Die in Deutschland erscheinende türkische Tageszeitung Hürriyet (Freiheit) versuchte kürzlich mit einem Frage- und Antwortspiel ein Kapitel türkischer Geschichte aufzuarbeiten. In der großformatigen Zeitung war eine ganze Seite - betitelt Zehn Fragen, zehn Antworten - in deutscher Sprache dem Thema Armenische Ansprüche und Tatsachen gewidmet. Ganz dem nationalistischen Anspruch ihrer Kopfzeile, "die Türkei den Türken" verpflichtet, vertrat das Blatt seine Lesart des Massenmordes an Armeniern während des Ersten Weltkrieges. Der Beginn der Massaker von 1915 - durch die Verhaftung von Armeniern in Istanbul symbolisch auf den 24. April festgesetzt - wird in der Republik Armenien bis heute als staatlicher Trauertag begangen. In den Fragen und Antworten von Hürriyet wird das zur Farce degradiert. Die Zeitung meint: "Zu einem solchen Massaker ist es nie gekommen, weder an diesem Tag noch zu einem anderen Zeitpunkt des Krieges. Es wurde darauf geachtet, dass die Armenier sanft behandelt wurden, wobei sie im Allgemeinen nach Syrien und Palästina verbracht wurden, wenn sie aus Südanatolien stammten, und in den Irak, wenn sie aus dem Norden kamen. Auf diese Weise wurden bis Ende 1917 etwa 700.000 Armenier verbracht, wobei es gewiss zu einigen Todesfällen kam, waren doch die Gebiete, die sie passierten, Schauplatz großangelegter Militäraktionen und Bandenaktivitäten ..." Optisch verstärkt wird die Leugnung der Verbrechen noch durch die Bebilderung der Fragen und Antworten mit Gewaltfotos und deren Unterschriften. Einem gemäldegleichen "Angriff der Armenier auf eine Moschee 1895" sind "Armenische Massaker an Türken von 1915" zur Seite gestellt. Die unterschwellige Botschaft dieser Komposition ist eindeutig und erschreckt durch ihre simple Suggestion: Die Deportation der armenischen Staatsangehörigen sei eine Notwendigkeit zur Konsolidierung der osmanischen Gesellschaft im Ersten Weltkrieg gewesen. Man habe die Armenier wegen ihrer Gewalttätigkeit aus dem osmanischen Volkskörper heraustrennen müssen. Wer den Massenmord an der armenischen Bevölkerung vor mehr als 85 Jahren als historische Tatsache anerkennt, kann nach wie vor unter schweren Druck des türkischen Staates und seiner Lobbyisten geraten. Frankreich, Griechenland und Russland sagen inzwischen trotz vehementer Reaktionen aus Ankara: Es gab diesen Genozid. Die USA hingegen ziehen es vor, eine eindeutige Position zu vermeiden. Zu Gunsten von Wirtschafts- und Militärbeziehungen mit dem NATO-Partner Türkei entschied sich die Clinton-Administration noch im Herbst 2000 gegen eine im Repräsentantenhaus diskutierte Anerkennung des Völkermords. Wohlgemerkt, es handelt sich um die Deutung von Ereignissen, die mehr als ein dreiviertel Jahrhundert zurückliegen. Als im April 1998 Mihran Dabag, der Direktor des Bochumer Institutes für Diaspora- und Genozidforschung, auf einem Seminar im Berliner Haus der Wannsee-Konferenz die geschichtlichen Umstände des damaligen Geschehens beschrieb, sprach er vor allem über die Jungtürken-Bewegung, deren Ziel in der militärischen "Turkisierung" armenisch besiedelter Gebiete bestand. Im Widerspruch zur offiziellen türkischen Geschichtsschreibung charakterisierte er die Jungtürken als Strömung mit "einem völkischen Rasse-Konzept", der ein Großreich von Thrakien bis Mittelasien vorschwebte. Diese nationalistischen "Reformkräfte" des Osmanischen Reiches wurden wenig später zu einer Basis der kemalistischen Philosophie. Das Fundament der Trennung von Staat und Religion der modernen Türkei wie deren scharf akzentuierter Nationalismus waren maßgeblich den Jungtürken zu verdanken. Sie forcierten die Entwicklung von der ethnischen Vielfalt des "Osmanismus" hin zu einem einseitigen Nationalismus im Staatsgebiet der jetzigen Türkei. Während des ersten Balkankrieges im Januar 1913 hatten die Jungtürken endgültig die Macht im Osmanischen Reich ergriffen. Der Innenminister und spätere Großwesir Mehmed Talaat Pascha und jungtürkische Militärs wie der Sultansadjutant Ismail Enver Pascha strebten aktiv nach der Regeneration eines mächtigen Imperiums. Der Kriegseintritt auf Seiten der Mittelmächte war die logische Konsequenz - der Massenmord an den Armeniern galt als Akt der blutigen "Stabilisierung" des Reiches. Bis heute sind die Beziehungen der Türkei zum Nachbarstaat Armenien alles andere als normal. Gegenseitige diplomatische Abstinenz und geschlossene Grenzen dokumentieren, welches Konfliktpotenzial noch immer vorhanden ist. Dabei agiert die türkische Außenpolitik starr und dogmatisch. Nur ein Indiz dafür ist die Parteinahme zugunsten Aserbaidschans im Karabach-Konflikt. Auch dafür existieren geschichtliche Wurzeln, denn kurz vor Ende des Ersten Weltkrieges waren 1918 Truppen des Nuri Pascha - eines Verwandten von Enver Pascha - durch Karabach marschiert und hatten Elend, Verwüstung und Schrecken hinterlassen. Was es bedeuten kann, sich dieser Last der Erinnerung entledigen zu wollen, konnte der türkische Staat im Jahre 1973 erfahren. Bis dahin war in der eigenen wie der westlichen Öffentlichkeit kaum über den Genozid an den Armeniern diskutiert worden. Dies änderte sich abrupt mit dem Attentat eines 78-jährigen Armeniers auf zwei türkische Diplomaten in Los Angeles. Als Überlebender der osmanischen Geschichte wollte er offiziellen Vertretern der Türkei ihre Schuld vor Augen halten. Eine Welle von Anschlägen auf türkische Einrichtungen folgte weltweit. Die Enkel der Überlebenden bildeten "Rachebrigaden", deren Motivation aus dem einmal erlittenem Unrecht rührte. Neue, nicht nur türkische Opfer waren die Folge. Diese Periode dient in der Türkei bis heute dazu, um vom Fortbestand des "armenischen Terrorismus" zu sprechen. Nur ein erschreckendes Beispiel sind die Fotos und nationalistischen Kommentare zum Ermeni Sorunu, dem sogenannten "Armenien-Problem", auf den Webseiten des türkischen Generalstabs ( www.tsk.mil.tr

Alman Enver ???

Der Moskau-Flug der F 13 "Annelise"
Gute Aussichten eröffnen sich neben den Verhandlungen mit schwedischen Gesellschaften auch für einen Absatz von F 13 bei Verhandlungen mit holländischen Persönlichkeiten. Das Metallflugzeug würde sich hervorragend für den Einsatz in den holländischen Kolonien eignen. Eine Zeitlang zieht Junkers auch eine Flugzeugfabrikation in Holland in Erwägung. Im September plant Prof. Junkers einen Flug mit den beiden bisher fertiggestellten F 13 "Herta" und "Annelise" zur holländischen Luftverkehrsausstellung ELTA (Eerste Lucht-Tentoonstelling Amsterdam), die Flugzeuge dort vorführen zu lassen. Er selbst will mit seiner Frau an diesem Flug teilnehmen. Es werden alle notwendigen Vorbereitungen wie Beschaffung der Einreisevisen, Einholung einer Flugerlaubnis usw. getroffen und die F 13 "Herta" wird, wie bereits weiter oben erwähnt, extra für diesen Flug neu ausgestattet. Als Piloten sind Hans Hesse und Emil Monz vorgesehen.

Kurz vor Antritt des Fluges tritt ein Ereignis ein, daß alle diese Pläne über den Haufen wirft. Am 30. September erhält Professor Junkers, der sich gerade in Bayrischzell aufhält, folgendes Telegramm:
"Oberleutnant Hesse hat Gelegenheit politischen Flug mit Sechssitzer nach Rußland mit Unterstützung Deutscher und Sowjetregierung auszuführen Vorschlägt dringend Ausnutzung für Verwertung Punkt Maier Haller als unser Vertreter vorgesehen Abflug allerspätestens Sonnabend nötig Punkt Empfehlen einstimmig Flug auszuführen Dringdrahtet Entscheidung. Semalüreusamie (51)"
Was hat es mit diesem rätselhaften Telegramm auf sich? Die Hintergründe sind nicht leicht zu rekonstruieren. Nach Auswertung verschiedener Quellen ergibt sich folgendes Bild:
Oberleutnant Hesse hat während des ersten Weltkrieges als Jagdflieger in der Türkei gegen die Engländer gekämpft und ist nach Kriegsende nach Berlin zurückgekehrt. Dort hat er freundschaftliche Beziehungen zu Professor Friedrich Sarre und dessen Frau, einer geborenen Humann. Deren Vater, der Ingenieur Carl Humann, hatte von 1878 bis 1886 die Ausgrabungen in der Türkei die Ausgrabung des Pergamonaltars geleitet und hatte bis zu seinem Tode 1896 in Smyrna gewohnt. In Smyrna wohnte auch der Geheime Rat Sarre, dessen Sohn Friedrich nach dem ersten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehrt und Leiter der Berliner Islamischen Kunst-Abteilung wird.
Prof. Sarre unterhält freundschaftliche Beziehungen zum ehemaligen Oberstkommandierenden der türkischen Armee Enver Pascha, der sich zusammen mit dem und dem türkischen Großwesir Talaat Pascha und anderen Bekannten in einem Sanatorium in Berlin-Wannsee vor den Alliierten verborgen hält. Enver Pascha plant, nach Rußland zu fliegen, um mit den Russen über ein Bündnis gegen England zu verhandeln und weiht seine Gastgeber in diesen Plan ein. Frau Sarre bittet daraufhin ihren Bekannten Oberleutnant Hesse, ein Flugzeug zu besorgen und Enver Pascha nach Moskau zu bringen. An dem Flug soll außer Enver Pascha auch ein weiterer Bekannter von Frau Sarre teilnehmen, Professor Bah Eddin Schakir, ein Arzt der Universität Konstantinopel. Um einen reibungslosen Flug zu gewährleisten, schaltet Frau Sarre auch ihren Bruder Kapitän Humann ein, der Leiter der Nachrichtenabteilung beim Reichsmarineamt ist.
Oberleutnant Hesse, der gelegentlich bei den Junkerswerken als Pilot tätig ist und auch schon die Junkers F 13 geflogen hat, reist sofort nach Dessau und erzählt Professor Junkers von seinem Vorhaben.
Prof. Junkers ist nicht abgeneigt. Bereits im Mai hatte er in einer Besprechung mit Vertreter in Petersburg, Maier-Haller, die Ansicht geäußert, Deutschland, Japan und Rußland sollten sich zusammenschließen. Als Verbindung zwischen den Ländern könnte das Flugzeug dienen (52). Der Junkers-Generalbevollmächtige Seitz hat kurz vorher schon Beziehungen zu japanischen Fliegeroffizieren aufgenommen, die zu Besuch in Deutschland weilen und Ende Juli auch die Junkerswerke besuchen. Der Schriftsteller Hans Dominik erarbeitet das Konzept für einen Junkers-Industriefilm, der nach Japan geschickt werden soll (53). Gelänge es nun noch, die Russen von einem Ankauf der F 13 zu überzeugen, könnte mit diesem Flugzeug vielleicht ein Luftverkehr nach dem Osten aufgezogen werden, der dem Zugriff der Alliierten entzogen ist.
Carl Seitz, der mit der Familie von Carl Humann vor dessen Tod in Smyrna freundschaftlich verkehrt hatte und daher Frau Sarre ebenfalls persönlich kennt, unterstützt Hans Hesse bereitwillig. Er berät sich sofort mit dem Junkers-Vertreter Maier-Haller in Petersburg und notiert über das Gespräch:
"Maier-Haller hält den Plan des Oberleutnant Hesse für sehr gut, eine ausgezeichnete Idee, auf die man unbedingt eingehen solle. Die Sache habe Hand und Fuß. Natürlich müsse man die Maschine à fonds perdu schreiben. Wenn das Unternehmen aber gelingt, so könne der Erfolg groß sein. Hesse würde jedenfalls mit offenen Armen empfangen werden. Es sei keine Frage, daß man ihm auch helfen würde, wieder über die Grenze zurückzugelangen, schon um wieder etwas Gutes aus Deutschland zu erhalten. Auf alle Fälle rät Maier-Haller, wenn die Maschine verkauft werden sollte, das Geld nicht in wertlosen Rubeln, sondern in Juwelen oder anderen Werten anzunehmen. Die Leute verfügen über derartigen Besitz. ..."(54)
Damit steht endgültig fest, die Junkerswerke werden das Vorhaben von Oberleutnant Hesse unterstützen und ihm die F 13 "Annelise" für den Flug zur Verfügung stellen. Der oben erwähnte Plan des Hollandfluges muß nun aufgegeben werden, da die zweite noch vorhandene F 13 "Herta" aus wichtigen Gründen, auf die wir noch zu sprechen kommen, in Dessau als Vorführungsflugzeug gebraucht wird.
Kapitän Humann hat inzwischen beim Kriegsministerium eine Genehmigung für den Flug nach Moskau erwirkt. Dies war um so leichter, als sich die Pläne von Enver Pascha mit denen seines Freundes General von Seeckt decken, der nach den im Versailler Vertrag diktierten Friedensbedingungen eine Anlehnung an Sowjetrußland sucht (55).
Am 2. Oktober erhält Oberleutnant Hesse einen Ausweis vom Kriegsministerium, der ihm unterwegs Unterstützung gewährleisten soll:
Kriegsministerium. Reichswehrbefehlsstelle Preussen Abwicklungsstelle der Zentralstelle Grenzschutz Ost. Nr. 9842 Berlin, den 2. Oktober 1919.
Ausweis.
Oberleutnant Hesse als Führer des Metalleindeckers "Anneliese" überfliegt mit fünf Insassen im Einverständnis der obenstehenden Dienststelle deutsches Gebiet und die deutsche Grenze. Alle Behörden, insbesondere die Flughäfen pp., werden gebeten, ihm Schutz zu gewähren und ihm eventuell auch bei seinem Rückflug bei Notlandungen Betriebsstoff usw. zur Verfügung zu stellen. Oberleutnant Hesse ist angewiesen, sich beim Generalkommando VI. Res. Korps zu melden, um ein in seinem Besitz befindlichen dienstlichen Schreiben dem Herrn General von der Goltz persönlich zu überreichen.
i.A. gez. Lange
Von dem Unterzeichner des Ausweises, Leutnant Lange, erfährt Seitz nach dem Abflug von Hesse über die Hintergründe des Unternehmens noch folgendes:
"Einstweilen hat er mir gesagt, daß der Flug des Oberleutnant Hesse keine militärische Angelegenheit sei, wohl aber von militärischer Seite bestens unterstützt und gefördert wird. Der Flug geschieht im Einverständnis des Reichsmarineamtes und des Kriegsministeriums. Die Genehmigung zum Flug ist militärischerseits nach Rücksprache mit dem Leiter der Nachrichtenstelle des Reichsmarineamtes, Korvettenkapitän Humann, erfolgt, der für die Einwandfreiheit und Sicherheit des Unternehmens garantiert.
Angeblich soll es sehr wichtig für deutsche Interessen sein, daß der Flug unternommen wurde. Leutnant Lange meinte, es sei sicher anzunehmen, daß Oberleutnant Hesse das Flugzeug, soweit politische pp. Momente in Frage kommen, glücklich wiederbringt. Das Kriegsministerium hat durch Schreiben an die einzelnen Truppenteile für Unterstützung des Oberleutnant Hesse gesorgt. Er soll sich im Stabsquartier Goltz melden. Die Kommandostelle des 6. Reservekorps soll noch in Mitau sich befinden." (56).
Über weitere Vorbereitungen, den anschließenden Flug und die Ursache seines Scheiterns gibt ein bisher unbekannter Bericht Auskunft, der in den Akten der Junkerswerke aufgefunden wurde und hier vollständig wiedergegeben werden soll. Er stammt von dem russischen Ingenieur und Junkers-Mitarbeiter Abraham Fränkel, der an diesem Flug teilnimmt, um für Enver Pascha in Rußland als Dolmetscher zu dienen.
"Am 2. Oktober gegen 4 Uhr nachm. teilte mir Herr Brandenburg nach d. Kanalstrom, wo ich z. Zt. beschäftigt war, ein Ferngespräch von Herrn Mierzinsky mit: Ich möchte mich sofort nach dem Kaiserplatz begeben, dringende Angelegenheit. Nur zwei Tage waren verstrichen, seit ich von meiner Sommerfrische zurückgekehrt war. Ich begab mich also nach dem Kaiserplatz, wo mir der Vorschlag mitgeteilt wurde, mit einem Junkers-Flugzeug in Gesellschaft schon in den nächsten Tagen evtl. nach Rußland zu fliegen. Morgen früh wird Antwort erwartet.
Mehr als zwei Jahre sind es, daß ich kein Lebenszeichen von meinen Eltern erhalten habe und jeder Weg zu Ihnen wäre mir nicht schwer. Wenn auch der Flug nicht nach der Stadt meiner Eltern ging, jedoch gab mir derselbe die Möglichkeit, meine Eltern evtl. dort zu erreichen. Ein zweites Moment kam hinzu, ich wollte dem Herrn Prof. meine Anhänglichkeit zeigen. Noch habe ich nicht vergessen, meine Entlassung aus der Gefangenschaft aus Altengrabow, durch Aufnahme in der Firma durch Herrn Prof. selbst. Daher gab es für mich nicht viel zu überlegen.
Schon im Sommer, nachdem ich die Eingabe an Herrn Prof. Junkers überreichte, suchte ich die Direktion der Jfa auf. Die J IV (Panzerflugzeuge) wurden gerade abmontiert und nur als altes ... verwertet und da wollte ich diese Kisten in Rußland evtl. in den Randstaaten anbringen, wo dieselbe gut am Platze wären. Ein Flieger stand mit auch zur Verfügung. Es wäre also ein rein geschäftliches Unternehmen der Firma, ohne irgend welchen politischen Hintergrund und für mich zugleich ein Weg zu meinen Eltern. Doch wurde mein Vorschlag vertagt und ad acta gelegt.
Am Sonntag, den 5. Oktober um 11 Uhr 10 Minuten verließen wir Dessau bei dunstigem Wetter im Flugzeug "Anneliese", Insassen Oberleutnant Hesse, Maruscyk, Kratz, Müller und meine Wenigkeit. Anfangs ließen die Wolken eine Höhe von 200 Meter erreichen, doch hinter Wittenberg waren die Wolken so dicht, daß der Führer herunter auf 90 Meter gehen mußte, daher in der Kabine schwül.
Um 12 Uhr 20 Minuten landeten wir in Berlin-Johannisthal, Landung gut; der Führer ließ das Flugzeug in der Deutschen Luftreederei unterbringen. Benzin war uns nur für den Flug Dessau-Berlin gegeben, daher waren wir gezwungen, gleich nach der Landung dort auf die Suche nach Benzin zu gehen. Es gelang mir auch, verschiedene Schieber ausfindig zum machen, doch die Preise waren zu hoch und das Benzin minderwertig. So kam es, daß erst am Dienstag Abend Leichtbenzin aufgetrieben wurde und der Flug vonstatten gehen konnte.
Montag, den 6. Oktober, ging Hauptmann Hesse mit mir zu Herrn Junkers, um den Betrag von M 15.000.- für die Reise in Empfang zu nehmen. Herr Müller hat uns dabei verschiedene Wege abgenommen und war uns behilflich. auf dem Flugplatze Johannisthal wurde das Flugzeug samt Insassen gefilmt und für illustr. Zeitschriften photographiert.
Kurz vor dem Start brachte ein geschlossenes Auto die Türken "A. u. B."; ich füllte die Versicherungsliste aus und um 12 Uhr 15 Min. startete das Flugzeug bei klarem Wetter und günstigem Wind mit den 5 Insassen und schwerem Gepäck, so daß das Flugzeug überlastet war. Der Kühler spielte uns einen bösen Streich, er verlor soviel Wasser, daß eine Notlandung vorgenommen werden mußte. Während derselben versagten die Höhenflosse (die Seilzüge derselben klemmten sich). Dank der günstigen Tragflächenform, die das Bestreben haben, stets in die normale Lage zu gelangen, glückte die Landung; es hatte einen Auslauf von 17 Meter und da gerade eine tiefe Furche war, kam es zum leichten Kopfstand, der Propeller brach, Insassen heil, sonst nichts. Diese Notlandung fand in der Nähe von Czersk um 2 Uhr 10 Min. statt. Wir erreichten dabei eine Fahrtgeschwindigkeit von 250 km bei einer Höhe von etwa 1500 Meter. -
Dank der guten Beziehungen und sogar Beliebtheit, dessen sich Oberleutnant Hesse erfreute, gelang es uns, nach 2tägigem Aufenthalt daselbst den Schaden zu reparieren und am Freitag, den 10. Oktober um 11 Uhr vormittags weiter zu fliegen, doch schon nach einer Stunde mußten wir eine zweite Notlandung bei Dirschau (Dammerau) vornehmen, da der Kühler bereits zuviel Wasser verloren und der Vergaser sich festgefressen hatte, so daß die Notlandung bei Vollgas stattfand.
Es gelang Dank der bereitwilligen Hilfe eines dort am Platze befindlichen Schlossers und unseres Monteurs Marusczyk, den Kühler sowie den Vergaser nach meiner Anweisung wieder einigermaßen zu flicken und Montag, den 13. Oktober um 11 Uhr bei klarem Wetter und günstigem Wind weiter zu fliegen und landeten ohne weitere Zwischenfälle in Königsberg um 12 Uhr mittags auf dem Militärflugplatz. Fluggeschwindigkeit etwa 200 km und 1100 Meter Höhe. überall fanden wir hilfreiche Hände, sowie Posten zur Bewachung des Flugzeuges, bei Dirschen aber konnten wir keine Bewachung für das Flugzeug finden, daher entschloß ich mich, selber die Bewachung desselben zu übernehmen.
Aus Dirschau war meine Veranlassung der Firma gedrahtet, einen neuen Kühler nach Fliegerhorst Königsberg zu senden, einen Vergaser hofften wir in Königsberg zu erhalten. Der gesandte Kühler stimmte mit der unteren Motorhaube nicht überein (wahrscheinlich wegen des Motoraustausches). Die Anmontierung des neuen Kühlers und Vergasers verursachte einen zweitägigen Aufenthalt daselbst. Aus Königsberg schickte ich durch den Monteur Kunze einen Zettel betreffs Änderungen am Flugzeug: Abschließbarmachen der Türen, Schlafgelegenheit, Benzinpumpe und Seilzüge der Höhenflosse u.a.m.
Mittwoch den 15. Oktober um 12 Uhr 45 Minuten bei trüben Wetter startete das Flugzeug, um 2 Uhr 15 nachm. wurde eine Landung bei Schaulen vorgenommen, da der Führer sich bei Sr. Ex. v. d. Golz melden mußte, zu dem seine Ausweispapiere der Regierung lauteten. Landung gut; Aufnahme anfangs ziemlich streng und mißtrauisch, doch nach dem Ferngespräch mit s. E. v. d. Golz freundlichst nach dem Offizierskasino eingeladen, um eine kleine Erfrischung einzunehmen.
Die meisten Offiziere waren in russischer Uniform und sprachen auch russisch, nur einige waren in deutscher Tracht. Wir wurden aufmerksam gemacht, daß es dort zeitiger dunkel wird und daß evtl. deswegen besser wäre, dort zu übernachten, doch er Türke A. äußerte seinen Unwillen darob. Auch wurde von einem russischen Fliegerleutnant eine andere Flugroute vorgeschlagen, doch wegen der fortgeschrittenen Stunde konnte der Flieger Hesse eine änderung nicht mehr vornehmen und um 3 Uhr 10 Min. unter jubelnder Verabschiedung sämtlicher Offiziere flogen wir von dannen. Es war die erste Fliegerabteilung der Koltschak-Truppen.
Wir hatten Gegenwind und das Wetter wurde zusehends schlechter. Wir konnten durch mühsame Umgruppierung des Gepäcks sowie der Insassen eine Höhe von nur 600 Meter erreichen. Auch die Fluggeschwindigkeit war sehr gering; einige Gewährschüsse wurden uns nachgesandt, die uns nichts schadeten und wie Leuchtraketen erschienen. Es war schon ziemlich dunkel, als wir in einer Entfernung von 40 km vor Dünaburg flogen; doch das anziehende Gewitter mit dem ruckweisen Wind veranlaßte zu einer Notlandung. (Die Brücke über die Düna war von den Polen und Litauen, Letten und anderen besetzt, die Stadt selbst war von den Sowjettruppen festgehalten).
Kaum daß wir den Boden erreichte, waren schon verschiedene Bauern da und staunten das Unding an, meinten es sein ein 'Engländer'. Ich suchte mich mit den Leuten in russisch zu verständigen und brachte in Erfahrung, daß wir unter der Obrigkeit der Litauer und befinden, was ich auch dem Führer sowie den anderen Insassen mitteilte. Herr Hauptmann Hesse meinte, es würde uns hier nichts geschehen, da hier eine deutsche Mission sei, die uns bestimmt ihren Schutz angedeihen lassen wird; auch habe er noch verschiedene alte Bekannte und Freunde dort. Nach kurzer Überlegung entschlossen sich alle, hier in der Nähe zu übernachten.
Es war schon vollständig dunkel geworden und das Gewitter löste sich in einen fürchterlichen Regen auf. Herr Hauptmann Hesse und ich gingen in die nächstliegende Ortschaft (Abelli), um einige Wachtposten für das Flugzeug beordern zu lassen. In diesem Orte befand sich nur eine litauische Kompanie, dessen Führer nicht zugegen war. Der Feldwebel gab uns jedoch 5 Soldaten und auf meine Bitte, uns ein Nachtlager anzuweisen, wurden wir zu einem deutschen Dr. Ney, der im litauischen Dienst steht, hinempfohlen, wo wir herzlichst empfangen wurden. Der obengenannte Dr. stellte uns einen Bauernwagen zur Verfügung, mit dem wir uns zum Landungsplatz begaben, um das Gepäck vor den nicht allzu sehr zuverlässigen Wachtposten in Sicherheit zu bringen. auf dem Rückweg trafen wir eine berittene Mannschaft mit einem Offizier an der Spitze, der von uns aufgestellte Posten wegnahm und neue aufstellte.
Kaum daß wir unser Abendmahl verzehrt hatten und nach einer kleinen Unterhaltung mit der Familie uns etwa gegen 1/2 10 zur Ruhe begaben, wurden wir von zwei litauischen Offizieren (Kompanieführer uns sein Stellvertreter) unsanft aus dem Schlaf gestört. Sie verlangte unsere Ausweise und machten uns aufmerksam, daß keiner das Haus verlassen darf, da Posten aufgestellt sind und diesbezügliche strenge Weisung erzielten. Nach einer Stunde kehrten die beiden Offiziere in Begleitung zweier anderer, darunter der Chef der Kontr-Raswjedka (Geheim-Nachforschungsamt) und wir wurden nach dem Polizeirevier abgeführt samt unseren Sachen. Dort wurde eine strenge Untersuchung vorgenommen: Kleidungsstücke aufgetrennt, alles genau geprüft und unter anderem wurden verschiedene Fotos sowie abfotografierte Schriftstücke (in russische) mir zur Einsicht vorgelegt; es stellte sich heraus, daß in Schaulen ein Teehaus extra eingerichtet wurde, wo die Spartakisten und Bolschewisten sich regelmäßig treffen, um ihre Sachen zu erledigen.
Gerade vor einigen Tagen wurde in Erfahrung gebracht, daß ein bolschewistisches Flugzeug von Deutschland nach Rußland passieren muß, so kam es, daß man uns für dies erwartete Flugzeug hielt zumal ihnen bekannt war, daß wir in Schaulen landeten.
Nach der Untersuchung waren wir den Verhältnissen gemäß ziemlich freundlich behandelt. Dem Chef der Kontr-Raswjedka gefiel außerordentlich der Fotokasten von dem Türken A. und äußerte sich dahin, er habe schon längst den Wunsch, so einen zu besitzen. Ich teilte es mit und fügte hinzu: Man müßte die Gelegenheit wahrnehmen, ihm denselben zu schenken und zusehen, später noch anderes ihm anzubieten und eventuell dadurch freizukommen. (Er erzählte, er sei kein Litauer, da er aber bei den jetzigen Verhältnissen schlecht nach Rußland kommen kann, so nahm er hier die Stellung vorübergehend an, auch habe er noch vor dem Krieg einen ähnlichen Posten in Rußland bekleidet. Da man aber hier in Litauen schlechte zahle, bereits 4 Monate kein Gehalt ausgezahlt bekommen, so denke er nicht mehr lange da zu bleiben.) Leider wurde mein Vorschlag nicht beachtet.
Um 4 Uhr morgens sind die beiden Türken und ich in einem Bauernwagen unter Bewachung nach Rokischki gefahren, wo der Sitz der Kontr-Raswjedka sich befand. Nach einer sechsstündigen Fahrt im vollsten Regen langten wir endlich dort an.
Hauptmann Hesse, Marusczyk und die oben erwähnten litauischen Offiziere legten dieselbe Strecke in der "Anneliese" zurück. Hier kam es zu einem heftigen Zwist zwischen dem Chef der K.-R. und dem Ortskommandanten. Der letztere verlangte die übergabe des Flugzeuges samt Insassen in seine Gewalt. Er stellt einen vollständig degenerierten Menschen dar, der nur Kokain und Schnapspulle kennt. Er schrie: "man müsse uns ihm rausgeben, er wisse schon, wie mit solchen Kerlen umzugehen sei, ein kurzer Prozeß und die Sache ist erledigt," (Er behielte dann das Geld und die Sachen, nur das Flugzeug würde er abgeliefert haben. Solche Fälle sind in den Randstaaten nicht selten.)
Wir aßen daselbst ein im Hotel für alle bestelltes Mittag und unsere Aussagen wurden zu Protokoll genommen. Der Chef der K.-R. äußerte sich nochmals, er würde uns freilassen ohne Bedenken, doch müsse er uns der Obrigkeit sowie der englischen Mission übergeben. Er will aber mit uns nach Kowno, um die Sache zu beschleunigen und hofft, in 2 - 3 Tagen die Sache zu erledigen.
Ich habe später im Gefängnis die Gelegenheit gehabt, sich zu überzeugen, daß mein oben erwähnter Vorschlag am Platze war, doch da derselbe unberücksichtigt blieb, so redete ich dem Führer zu, statt nach Kowno nach Königsberg zu fliegen. An Bord befanden sich die beiden litauischen Offiziere samt unserer Ausweise, Protokolle und Geld, doch wurde es mir nicht fest versprochen.
Dieser Vorschlag von mir wurde auf rätselhafte Weise der litauischen Regierung bekannt und wurde später als belastend für mich angenommen. Die beiden Türken und ich langten in Kowno unter Bewachung eines Obersten nach einer 36stündigen Eisenbahnfahrt an. Während dieser Eisenbahnfahrt hatten wir auch eine Gelegenheit, zu entschlüpfen. Die Station Radziwiliski liegt etwa 60 Schritt von der freien Straße, die für die zurückkehrenden deutschen Truppen aus dem Baltikum freigehalten wurde. diese Station wollten wir passieren, doch da ich kein bestimmtes Versprechen vom Führer hatte, daß er nach Königsberg fliege, so zog ich vor nach Kowno weiterzureisen.
In Kowno erhielten wir Unterkunft im Hotel Berutas, wo wir auch verpflegt wurden. Zimmer leidlich, betreffs Sauberkeit, Beköstigung sehr gut. Wir wohnten da unter Bewachung, anfangs einfache Soldaten, später aber eines Offiziers und eines Unteroffiziers, konnten in Begleitung eines derselben ausgehen. Hauptmann Hesse ging fast täglich nach der Deutschen Mission, doch scheint dieselbe nur dahin besorgt gewesen, die Türken je schneller in Sicherheit zu bringen. Für den Hauptmann selbst übernahm die Bürgschaft Herr Major Tschunki, die nachher zurückgenommen wurde auf Veranlassung des Herrn Hauptmann Hesse selbst.
Ich ging zur K.-R.. um zu hören, wann unsere Haft zu Ende sei. Es wurde von Tag zu Tag verschoben. Herr Major Tschuki schien ein guter persönlicher früherer Freund von Herrn Hesse zu sein. Wir haben uns verabredet, nur das auszusagen, daß wir nach Rußland flogen, 1. der türkischen Gefangenen wegen, 2. Austausch der deutschen Geißeln gegen Radek und gleichzeitig in Erfahrung zu bringen, die Lizenz- und Patentrechte, doch vermuteten sie, daß der Flug noch ganz andere Aufgaben in Sow.-Rußl. zu erledigen habe. Und als der Militärprokurator uns von neuem verhörte und zum Unglück im Flugzeug eine Militärkarte sich fand, die die Stellungen sämtlicher Truppen an der bolschewistischen Front aufwies, wurden wir der Spionage verdächtigt und nichts konnte den Prokurator davon abbringen.
Als weitere Belastung wird der Brief von Herrn v. Doepp an seinen Vater gezählt, in dem er seinen Vater bat, uns bei den Verhandlungen mit den russischen Kommissaren behilflich zu sein. Außerdem fand sich ein Brief, gerichtet an mich, von der russischen Botschaft in Berlin, in dem gesagt wird, daß mein Brief an meine Eltern nach der angegebenen Adresse abgegangen sei. Ich wurde anfangs für Radeck gehalten und auf meine Frage, ob er sich nie die Mühe gegeben habe, eine Abbildung von Radek sich anzusehen, meinte er, sie sei nicht so naiv, sondern klug genug um alles durchschauen zu können, worauf ich ihm antwortete, sie seien sogar viel zu klug.
Der frühere Mitarbeiter der Firma Junkers, Herr Abramson, wohnt in Kowno und ist im Ministerium für Handel und Gewerbe angestellt. Er suchte uns auf und lud uns zu sein ein; er suchte den Minister des äußeren sowie den Prokurator auf und suchte diese Herren von der Legalität des Fluges zu überzeugen, sowie auch davon, daß ich mit dem Bolschewismus nie was zu tun hatte.
Inzwischen kam der denkwürdige Tag, der 28. Oktober., an welchem die beiden Türken glücklich mit einem litauischen Flugzeuge und unter Führung eines deutschen Fliegerleutnants, der im litauischen Militärdienst stand, davonkamen. An und für sich war die Flucht sehr gut ausgedacht, doch konnte dieselbe für alle zugleich geschehen. Ein bei uns wachhabender Offizier Janzewitsch, früherer Fliegeroberst im russischen Heere, ein guter Trinker und unzufrieden mit seiner dortigen Lage, wäre nicht schwer ihn dafür zu haben, um evtl. mit unserem Flugzeuge nach einem seitlich liegenden Platze (in der Nähe des Hotels fließt die Vilja in die Memel und bildet da eine Halbinsel, guter Landungsplatz) fliegen, von wo aus wir alle wegkommen konnten. Leider wurde auch diese Gelegenheit nicht wahrgenommen. Nehme an, daß die deutsche Mission in erster Linie die beiden Türken in Sicherheit haben wollte und deshalb alles andere unbeachtet ließ.
Noch am selbigen Tage, wie vorauszusehen war, wurden wir ziemlich unsanft unter starker Eskorte abgeführt: Hauptmann Hesse nach der Hauptwache, Marusczyk und ich nach dem Gefängnis. Unteren vorher bestellten Kaffe durften wir nicht mehr einnehmen und mußten schnell unsere Sachen packen. Aus dem Gespräch der litauischen Offiziere entnahm ich, daß wir nicht zusammen abgeführt werden und machte Hauptmann Hesse darauf aufmerksam, worauf er mir sein Wort gab, daß keine drei Tage vergehen werden und wir wären wieder alle beisammen.
Die russischen Gefängnisse sind ja ihrer Schlechtigkeit wegen allgemein bekannt, doch unter dem "republikanischen" Regime der "Litauer" (die Machthabenden sind meistens Polen und frühere russische Geheimpolizeibeamte, die hauptsächlich oder nur der russischen Sprache sich bedienen) noch einige Stufen schlechter geworden.
Als einige Tage verstrichen und wir von der Deutschen Mission eine klägliche Liebesgabe erhielten (einige Brötchen, Stückchen Wurst, Kaffee usw.) wußte ich, daß von der deutschen Mission nicht viel oder gar nichts zu erwarten sei. Auch jeder Kriminalverbrecher bekam von seinen Angehörigen oder Bekannten regelmäßig eine Kiste Lebensmittel, denn mit der Gefängniskost ist es dem größten Hungerkünstler nicht möglich, auszukommen (etwa 3/4 Pfund Brot, einen Napf Kaffee, eine Wassersuppe mit etwas Rübenabfall oder Abfallkohl).
Besonders befremdet hat mich das Verhalten der deutschen Mission, in Person s. E. Zimmerle, uns gegenüber. Dieselbe war außerordentlich vorsichtig, um nicht mehr zu sagen. Wie ich später erfuhr, wollte und fürchtete dieselbe auch für Herrn Hauptmann Hesse einzutreten und nur der Korona der dort anwesenden deutschen Offiziere gelang es, S. E. Zimmerle dazu zu bewegen, daß er für Hauptmann Hesse eintrat und seine Befreiung veranlaßte.
Auch Marusczyk wurde am 4. November freigelassen; ich gönnte es ihm von Herzen, denn er ist ja Familienvater und als Monteur war er sehr fleißig und zuverlässig.
Die Mission unterließ es, für mich gutzusagen, daß ich kein Bolschewist wäre, trotzdem sie dieses leicht hätte in Erfahrung bringen können. Auch für Linderung meiner geistigen sowie leiblichen Entbehrungen (ich litt besonders darunter, daß ich auch nicht ein Buch zum Lesen hatte) geschah nichts, und mir blieb auch der verächtlich hingeworfenen Vorwurf nicht erspart, ich sei mitgeflogen, um ein "Geschäftchen" zu machen. Den Türken gegenüber war das Verhalten der Mission, wie oben erwähnt, ein ganz anderes, indem dieselben nicht nur mit Geld und Waffen unterstützt wurden, sondern auch ihre Flucht arrangiert wurde.
Einigemale wurde mir die Freiheit angeboten, wenn ich Aufklärung geben würde betreffs der Flucht der Türken, wie sie heißen und was sie in Rußland wollten, sowie betreffs des Flugzeuges "Anneliese". Selbstverständlich habe ich es mit der Tröstung von mir zurückgewiesen.
Im Gefängnis lernte ich Herrn Hauptmann Behr kennen, der Kunstmaler ist, war aber aktiv bei S. E. v. Ludendorf; trotz seines litauischen Visums wurde er dennoch verhaftet. Er wollte was für mich tun und hat, wie ich höre, an die Firma geschrieben.
Sobald Hauptmann Hesse freigelassen wurde, sorgte er für mich. Wenn auch das meiste gestohlen wurde, so erhielt ich dennoch etwas und als Hesse Kowno verlassen hatte, sorgte Frau Dr. Seligkowitz für mich. Sie sandte Gelder an den Rechtsanwalt Gluskin und an das jüdische Ministerium in Kowno. Doch was zu lesen erhielt ich immer noch nicht, da dazu eine besondere Erlaubnis vom Prokurator nötig ist, was keiner allem Anschein besorgte.
Endlich wurde ich nach einer anderen Zelle Nr. 141 überführt, wo ich Anschluß an andere Politische fand. Da gelang es mir, mal ab und zu ein Buch zu erhalten. Da das Gefängnis überfüllt war, wurde mir ein Nachbar zugeteilt, trotzdem es eine Einzelzelle war und der Prokurator strengstens verboten hat, mir einen zuzuweisen.
Ich lernte da verschiedene Herren kennen, darunter einen wichtigen Kommissar der Sowjet-Regierung, sowie den Vorsteher des Deutschen Roten Kreuzes, Sitz in Moskau. Diese versprechen mir, sobald sie frei und auf Umwegen nach Rußland gelange, werden sie mehrere Litauer als Geißeln ins Gefängnis zu stecken suchen, um meine Entlassung dadurch zu erwirken. Einer von diesen Herren war eine Woche vor mir entlassen und ich wäre sicher in einigen Wichen nach Rußland gekommen, wo ich für die Firma mit Erfolg zu arbeiten hoffte. Von diesen Herren sowie später im Lager und von Besuchern daselbst erfuhr ich vieles über das Leben und Treiben in Rußland, sowie auch über das Patentrecht.
Privatpersonen oder Firmen können nicht selbst ihre Patente ausbeuten, sondern der Staat gibt ihnen eine geringe Entschädigungssumme und beutet sie selbst aus. (Schieber gibt es aber trotzdem auch da).
Vergebens richtete ich fast wöchentlich Gesuche an die litauische Regierung, um endlich verhört und eventuell beschuldigt zu werden; unter anderem führte ich an, daß es in keinem imperialistischen Staate ein solch verschlepptes Verfahren denkbar wäre.
Inzwischen wurde von den Politischen der Hungerstreik proklamiert, wegen der schlechten Behandlung, keiner ärztlichen Hilfe, schlechter Kost und anderes noch, 5 Tage hielt derselbe an, länger ging es nicht. Auch besuchte der Prokurator jeden von uns und fragte nach Beschwerden. Ich äußerte u.a. mein Befremden darob, daß man mich unbestraft bereits über 4 Monate im Gefängnis ohne Verhör hält, denn ein Verdacht ist doch noch lange keine Anklage und fragte, wann eigentlich meine Haft eine Ende haben wird.
Es herrschte im Gefängnis der Hunger- und Flecktyphus, 5-6 Personen starben täglich, da keine ordentliche Hilfe und keine Arznei verabreicht wurden. Als einige Kriminalverbrecher auszureißen versuchte, wurden sie niedergeknallt und in der Wut ging die Schießerei in sämtlichen Korridoren dann los, so daß keiner seines Lebens sicher war. Solche und ähnliche Fälle wiederholten sich des öfteren. Unterdessen sind mit meine sämtlichen Sachen samt Reisetasche von einem polnischen Offizier weggenommen worden. Ich habe zwar seine und seiner Eltern Adresse in Erfahrung gebracht, doch habe ich bis jetzt leider nichts zu hören bekommen.
Einige Tage nach dem Besuch des Prokurators wurde ich nach einem Gefangenenlager überführt, eine Unterkunft, auch für eine Räuberhorde viel zu schlecht. Verschiedene gefangene Offiziere der Sowjet-Truppen wurden zur Bewachung der Wald- und Holzarbeiten beordert. Ich meldete mich auch dazu, doch wurde es abgelehnt mit dem Vermerk, ich könne dort leicht ausreißen. Jeder Fluchtversuch aus dem Gefangenenlager, Ungehorsam und anderes wurde mit mindestens 15 Spießruten und hinterher mit strengem Arrest bestraft.
Litauische Offiziere engagieren Deutsche nach Litauen für verschiedene Ämter, doch schon in Kowno auf dem Bahnhof werden diese gewöhnlich arretiert und nach dem Gefängnis bezw. dem Gefangenenlager abgeführt. Einige Fälle sind mir bekannt, da ich als Dolmetscher herangezogen war und es gelang mir, dem Rechtsanwalt Gluskin und dem deutschen Konsul davon Nachricht zu gehen, so daß dieselben wenigstes mit heiler Haut nach kurzer Haft nach Deutschland zurückkehren konnten.
Während meiner fast 5monatlichen Gefängnishaft, trotz der großen Schwierigkeiten, suchte mich nur der Rechtsanwalt Gluskin auf und machte mich darauf aufmerksam, daß nur Ausrücken vielleicht der einzige Weg sei, um mit dem Leben davonzukommen, wozu ich meine Einwilligung gab. Dieser Rechtsanwalt scheint ein sehr kluger, gerissener und doch guter Mensch zu sein, er war ja der einzige Mensch aus der "freien" Welt, den ich zu Gesicht bekam. Im Gefangenenlager besuchte er mich des öfteren, da dazu viel leichter eine Genehmigung zu erhalten war, doch die Nachrichten waren nicht erfreulich. Der Kriegsminister bestand auf standrechtliches Erschießen, worauf der Rechtsanwalt ihm vorhielt: Wenn dem so ist, warum sind denn dann die anderen freigelassen. Da verlangten sie M 50.000. - Kaution, worüber ich ein entsprechendes Schreiben in Händen habe.
Viele russische Kriegsgefangene, aus Deutschland nach der Heimat zurückkehrend, werden von den Randstaaten abgefangen und in ihren schrecklichen Gefangenenlagern gesteckt. Einer von diesen, der als Hilfsmonteur auf dem Flugplatze arbeitet, erzählte mir unter anderem, wie die Engländer bemüht waren, die "Anneliese" in Gang zu bringen, um nach Riga zu fliegen, doch vergebens. Der deutsche Geist läßt sich nicht so leicht umkriegen, ich freute mich diebisch darüber.
Am 10. März suchte mich der Rechtsanwalt Gluskin im Gefangenenlager auf mit strahlendem Gesicht. Er brachte mir die freudige Nachricht, daß ich nun entlassen werden und am 11. holte er mich nach der Stadt ab, wo ich den Herrn Abramson aufsuchte, dem ich sämtliche Papiere der Firma und die des Herrn v. Doepp zur Aufbewahrung vor meiner Haft übergab. Es glückte mir nämlich, bei der Untersuchung die Papiere zu retten und hoffte, dieselben zurückerstatten zu können. Doch da unsere Lage durch die Flucht der Türken so verschärft wurde, so bekam er Angst und wie er behauptet, sämtliche Papiere vernichtet zu haben.
Auf dem Rückwege nach dem Gefangenenlager traf ich zufällig einen früheren Studienfreund, der Mitglied der englischen Mission im Baltikum ist. Dieser versprach mir, zu verhelfen, wenn auch er dabei sein Profit nicht vergessen wird.
Abends den 11. März holte mich ein litauischer Rittmeister vom Gefangenenlager ab, ich mußte jedoch vorher eine Quittung unterschreiben, daß ich mich verpflichte, für die ganze Haftzeit eine Entschädigungssumme von etwa 10 Mark pro Tag zu entrichten. Diese Quittung mußte noch vom Rechtsanwalt Gluskin verbürgt werden und wir gingen dann zur Stadt, wo ich nach einem tüchtigen Bade ins Hotel zur ruhe mich begab. Nach fast sechsmonatlicher Haft hatte ich wieder endlich eine menschliche Behausung und Schlafgelegenheit.
Am 12. März ging es bereits schon zur Bahn, wo der Rechtsanwalt mir meinen russischen sowie vom deutschen Konsul ausgestellten deutschen Paß für die Heimreise einhändigte, ebenfalls Reisegelder. In Eydtkuhnen gab mich der litauische Rittmeister einem deutschen Kommissar, Herrn Kühn, über, worüber er sich eine Quittung ausstellen ließ. Von da ging ich als freier Mann ohne Begleitung nach Königsberg, wo mich der General-Streik einige Tage aufhielt und dann mit der Wasserstraße nach Berlin fuhr, wo der Generalstreik noch fortgesetzt war, und von da nach meiner Arbeitsstätte Dessau, wo ich am 27. März eintraf.
gez. Ing. A. Fränkel, Dessau/Anh. d. 24.IV.20, Mariannenstr. 23II (57)
Soweit der Bericht von Fränkel. Auch über die Erlebnisse des Piloten Hans Hesse gibt es einen, allerdings literarisch aufbereiteten Bericht. 1942 erschien im Verlag Rütten & Loening die Erzählung "Flug nach Moskau" von Adolf von Hatzfeld, die sich, soweit der Vergleich mit dem Bericht von Fränkel erkennen läßt, ziemlich genau an die Tatsachen hält.
Was ist nun aus den beiden Türken und der F 13 "Annelise" geworden? Enver Pascha und der türkische Arzt können, bevor ihre Identität festgestellt werden kann, während eines Spazierganges mit Hilfe des Piloten Harry Rother flüchten und werden von diesem mit einem Flugzeug DFW C-V nach Deutschland zurückgeflogen. Erst im Frühjahr des folgenden Jahres gelingt Enver die Reise nach Moskau.

F 13 "Annelise" in Kowno
Die F 13 "Annelise" wird, wie schon bei Fränkel erwähnt, an Stelle des in Litauen gestohlenen DFW-Flugzeuges in Kowno festgehalten. Harry Rother begibt sich sofort nach seiner Ankunft in das Berliner Büro der Junkerswerke und bietet sich an, die F 13 "Annelise" aus Kowno zu herauszuholen. Erich Offermann berichtet über das Gespräch mit Rother:
"Herr Rother gibt an, derjenige gewesen zu sein, welcher den beiden türkischen Offizieren, die Herr Hesse nach Kowno mitnahm, zur Flucht verholfen zu haben und dieselben hierher gebracht hat. Er behauptet, er sei in der Lage gewesen, Herrn Hesse nebst Begleitung und unser Flugzeug wieder nach Deutschland zu bringen. Das Letztere habe startbereit in der Halle gestanden und er habe Herrn Hesse dringlich den Vorschlag gemacht, den Rückflug zu unternehmen oder ihm (Rother) die Ausführung der Flucht zu übertragen. Hierzu sei Hesse aber nicht zu bewegen gewesen und zwar, wie Rother wörtlich behauptet, aus "Dickköpfigkeit". Hesse vertraue weiterhin seinem guten Stern und sei der Meinung, man müsse ihn schließlich loslassen. Er bedenke aber nicht, wie wichtig uns die Bergung der Maschine sei. Das schlimmste bei der ganzen Geschichte wäre, daß seit einigen Tagen Franzosen und Engländer herbeiströmen, um das Flugzeug zu photographieren und auszumessen. Herr Rother erbot sich, eine Hilfsaktion zu unternehmen und wollte zu diesem Zweck ein weiteres Flugzeug ankaufen. Wir haben daraufhin Herrn Offermann gesagt, daß der Verkauf eines Flugzeuges an Herrn Rother nicht in Betracht kommen könne; man wolle sich nicht ein zweites Mal auf ein derartiges Abenteuer einlassen und der "Annelise" noch ein Flugzeug nachwerfen." (58)
Seitz setzt sich daraufhin mit Leutnant Lange vom Kriegsministerium in Verbindung, der auch vorerst keine Möglichkeit sieht, das Flugzeug aus Litauen herauszubekommen:
"Das Auswärtige Amt will in der Angelegenheit "Flugzeug Annelise" absolut nichts mehr unternehmen, zumal es durch Kapitän Humann von dem Vorhaben gar nicht benachrichtigt war. Freiherr von Maltzahn. mit welchem Herr Lange selbst gesprochen hat, sagt, die Sache sei jetzt eine Privatangelegenheit des deutschen Generalbevollmächtigten in Kowno, Zimmerle, von dessen gutem Willen es abhinge, uns weiter zu unterstützen. ... Herr Lange erbietet sich, selbst nach Kowno zu fahren und will dies inoffiziell und auf eigenes Risiko tun. ..." (59)
Am 16. November reist Leutnant Lange nach Kowno ab. über das Ergebnis seiner Reise berichtet er nach seiner Rückkehr:
"Am 16. abends 9 Uhr 12 Min. verließ ich Berlin, ohne in den Besitz der für die Flugzeugbesatzung bestimmten Briefe gelangt zu sein. Bei meiner Ankunft in Eydtkuhnen teilte mir der Leiter der Grenzpolizei, Hauptmann von Hagen, mit, daß ein Passieren der Grenze auf legalem Wege unmöglich sei, da die deutsche Gesandtschaft am Tage vorher auf Anordnung der Entente Kowno hatte fluchtartig verlassen müssen. Der deutsche Generalbevollmächtigte würde jeden Augenblick in E. erwartet, und es wäre unmöglich für mich als einziger Deutscher, nach Kowno zu gelangen. Hauptmann von Hagen teilte mir mit, daß das litauische Flugzeug des Oberleutnant R. bereits in Eydtkuhnen eingetroffen sei und auf Befehl des Admirals Hopmann sofort an Litauen auszuliefern sei. Ich setzte ihm daraufhin die Gesamtlage auseinander und erreichte, daß das Flugzeug vorläufig nicht ausgeliefert wird, obwohl der französische General Niessell bei Admiral H. auf der Auslieferung bestand. In E. stand ein Auto des deutsche Roten Kreuzes in Kowno, das dorthin zurückfahren wollte. Ich besprach mich mit den beiden Chauffeuren, um sie zu meiner Mitnahme zu bewegen. Nach dem Angebot eines angemessenen Trinkgeldes gelang dies auch, und ich ließ auf Anraten des Hauptmanns von H. meine sämtlichen Papiere, die mich als Angehörigen einer deutschen Militärbehörde auswiesen (Noskeausweis und das Schreiben des K.M.), dort zurück. Die Grenze in Wirballen wurde glatt passiert. In Pilwiszkj wurden wir von einem litauischen Offizier und zehn Mann angehalten und verhaftet. Da ich mir sagte, daß bei einer Verhaftung meiner Person und dem daran anschließenden Transport nach Kowno die Litauer Verdacht schöpfen könnten, so versuchte ich unter allen Umständen meine sofortige Freilassung zu erwirken, die mir denn auch durch Bestechung des litauischen Offiziers und seiner Leute gelang, so daß wir unangefochten weiter konnten. Die nach 9 Uhr abends im Bereich von Kowno ohne Ausweis sich niemand auf der Straße blicken lassen durfte, so stieg ich in Telajti ab und wartete auf den kommenden Morgen. Um 6 Uhr früh fuhr ich mit einem Panjewagen nach Kowno, nachdem ich schon am Abend vorher für Oberleutnant H. dem Chauffeur einen Brief allgemeinen und doch für ihn allein verständlichen Inhalts mit Mark 2500.-- mitgegeben hatte. Quittung über Brief und Inhalt liegt dem Bericht bei.
In Kowno mußte ich nun leider sehen, daß ein Herankommen an das Flugzeug gänzlichst unmöglich war und ist, es wird strengstens bewacht, außerdem wimmelt es von Ententeoffizieren und Mannschaften. Beim deutsche Roten Kreuz erfuhr ich, daß der Generalbevollmächtigte am Abend vorher ebenfalls aus Kowno abgefahren war, so daß mit gar nichts weiter übrig blieb als unverrichteter Sache umzukehren. Ich benutzte von Maurucie den Personenzug nach Wirballen, gelangte nach einigen Hindernissen dorthin, passierte ungehindert die Grenze und hatte Gelegenheit in Eydtkuhnen den deutschen Generalbevollmächtigten noch anzutreffen, der mir in der Angelegenheit folgendes berichtete:
Oberleutnant H. und Herr F. sind beide wieder frei. Der am 19.11. nach Kowno zurückkehrende Beauftragte des Bevollmächtigten Dr. Eisenbacher hat sich für beide verbürgt beim litauischen Ministerpräsidenten. Oberleutnant H. war zweimal beim Bevollm. zu Tisch. Es war bereits einmal die Möglichkeit, daß H. den Bevollm. mit der "Annelise" nach Deutschland fliegen sollte, was sich im letzten Moment zerschlug. Nach Ansicht des Bevollm. haben wir uns der letzten Handhabe den Litauern gegenüber begeben, in dem Moment, wo ihnen das litauische Flugzeug ausgehändigt wird.Der Bevollm. hat H. zweimal aufgefordert, mit dem Sonderzug der Gesandtschaft, in dem sämtliche deutsche in litauischen Diensten stehenden Offiziere pp. mitfuhren, mitzukommen, H. hat auch bereits zur Verabschiedung von den deutschen Herren im Zuge gesessen und ist von diesen nochmals aufgefordert worden mitzukommen, hat es aber abgelehnt mit der Begründung, er könne sich von dem ihm anvertrauten Flugzeug nicht trennen und ist aus dem bereits fahrenden Zug gesprungen. Nach Mitteilung des Bevollm. haben die Litauer den Betriebsstoff aus dem Flugzeug gestohlen, außerdem soll H. das Flugzeug startunfähig gemacht haben durch Verstellen der Zündung sowie Entfernen eines der wichtigsten Apparate.
Ich begab mich daraufhin nochmals zum Hauptmann von Hagen, der mir versicherte, daß er das litauische Flugzeug nicht herausgäbe, und wenn es seine Stellung kosten solle. Ich benutzte daraufhin mit dem Bevollm. von Eydtkuhnen den gleichen Zug, um von ihm noch Verschiedenes über die Angelegenheit zu hören, was leider mißlang, da ihn, wie ich aus seinen Antworten entnehmen mußte, die ganze Sache ziemlich langweilte. Ich habe nur das eine Versprechen von ihm bekommen, daß er sofort am heutigen Nachmittage (Mittwoch) beim Außenminister auf das Energischste darauf hinwirken sollte, nur auf einen Austausch von Flugzeug zu Flugzeug einzugehen. Von der Vorsitzenden des deutschen Roten Kreuzes in Kowno, Frau Käte Koeppen, mußte ich erfahren, daß man auch in Kowno so über den Bevollm. urteilt, wie ich bereits des öfteren zum Ausdruck gebracht habe. Hatte irgend jemand auf der deutschen Gesandtschaft zu tun, so war der Ausdruck allgemein gebräuchlich: Ich gehe ins Irrenhaus. Kurz nach meiner Ankunft am heutigen Mittage traf ich den mit dem Gesandtschaftszug am Sonntag in Kowno abgefahrenen Leutn. Dietrich (Fliegerschütze) in Begleitung des Oberleutnants R., der mir erklärte, daß es nie von den deutschen Herren begriffen worden sei, warum H. von dem Notlandeplatz mit den beiden Litauern zusammen nicht nach Deutschland, sondern nach Kowno geflogen ist. Hätte H. irgend einen der deutschen Fliegeroffiziere ins Vertrauen gezogen, so wäre nach Ansicht des Leutnants Dietrich eine Flucht mit der "Annelise" schon lange möglich gewesen. Auch nach meinem Dafürhalten ist dies jetzt sogar noch möglich, und ich muß es den Junkerswerken überlassen, sich mit Oberlt. R. und Leutn. D. hierüber in Verbindung zu setzen.Berichte des Generalbevollm., sowie des Hauptmanns Wolf, erlaube ich mir in den nächsten Tagen zu überreichen. (60)
In einem irrt Leutnant Lange, Fränkel ist noch nicht frei. Am 3. Dezember trifft im Hauptbüro ein Telegramm ein: "Fränkel noch Gefängnis Kowno, leidet schwer. Versuchen Sie, Kaution anzubieten. Hauptmann Behr." Seitz setzt sich daraufhin sofort mit Legationsrat von Blücher vom Auswärtigen Amt in Verbindung und bittet ihn, sich für Fränkel einzusetzen. Blücher teilt ihm mit, daß im Auswärtigen Amt ein Telegramm aus Kowno eingetroffen wäre mit folgendem sinngemäßen Inhalt:
"Die Angelegenheit betreffend Flugzeug "Annelise" wird nachdrücklich verfolgt. Das Flugzeug kann nur durch richterlichen Spruch eingezogen werden; es ist beschlagnahmt. Voraussetzung für die Freigabe ist, daß das Strafgesetz, welches Oberleutnant Hesse verletzt haben soll, als er die Grenze überflog, die Einziehung zuläßt. Es wird taktisch für besser gehalten, vorläufig dahin zu wirken, das Verfahren gegen Hesse und Genossen einzustellen: Erfolg steht bevor."(61)
Wie bereits aus dem Bericht von Fränkel ersichtlich, ziehen sich die Verhandlungen um die Freilassung von Fränkel noch bis zum Frühjahr des folgenden Jahres hin.
Ein Freikauf der beschlagnahmten F 13 "Annelise" kann nicht erreicht werden. Das Flugzeug wird nach der Reparatur von litauischen Fliegern geflogen und wird am 22. August 1923 bei einer Notlandung infolge eines Motordefektes erheblich beschädigt. (62)

9.11.1914 Türk-Rus Savasi




Der türkisch-russische Krieg



Konstantinopel, 9. November. (W. B.)




Ein weiterer Bericht des Großen Hauptquartiers über den türkischen Sieg an der kaukasischen Grenze besagt: Während unsere Kavallerie über Kagysman gegen den Feind vorrückte, griff das Gros unserer Armee das russische Zentrum an, das stark war. Nach heftigstem, zweitägigem Kampfe wurde der Feind geschlagen. Unser Heer besetzte die vom Feinde verlassenen Stellungen


Athen, 9. November. (W. B.)




Meldung der "Agence d´Athenes": Zwei englische Torpedobootszerstörer haben die Telegraphenstationen Sarmussakil und Ajusmand beschossen. Die Türken räumten Moskhonissia. Ein kleiner griechischer Dampfer unter englischer Flagge wurde von den Türken bei Aivali in Grund gebohrt. Die Griechen in Smyrna flohen, nachdem dort eine Panik ausgebrochen war, nach Vurla. Ein englischer Torpedobootszerstörer begab sich nach Aivali, um den englischen Konsul an Bord zu nehmen. Die türkischen Behörden lehnten es ab, ihn freizugeben. 2)


Depeschenwechsel zwischen Erzherzog Friedrich und Enver Pascha
Erzherzog Friedrich
Enver Pascha
Konstantinopel, 9. November. (W. B.)






Der Oberkommandierende der österreichisch-ungarischen Armee, Erzherzog Friedrich, hat an den türkischen Kriegsminister Enver Pascha ein Telegramm gerichtet, in welchem er seine große Freude und Befriedigung ausdrückt, daß die Türkei an dem Kriege, den Österreich-Ungarn für die Gerechtigkeit und die Zivilisation unternommen hat, mit solchem Mute teilnehme. Der Erzherzog begrüßt den Kriegsminister als das wahre Haupt der ruhmreichen Armee, die gegen die gemeinsamen Feinde den Sieg davontragen werde, und fügt hinzu, er betrachte den Erfolg der ottomanischen Flotte als ein gutes Vorzeichen.Schließlich spricht der Erzherzog dem Kriegsminister Enver Pascha und dem Marineminister Dschemal Pascha, dem es in so kurzer Zeit gelungen sei, eine so tüchtige Flotte zu schaffen, die herzlichsten Glückwünsche aus.


Enver Pascha erwiderte mit einem Telegramm, in dem er dem Erzherzog für die Glückwünsche dankt und den Wunsch ausdrückt, der Allmächtige möge den Ottomanen und ihren Waffenbrüdern, die gegen die Feinde des Rechts und der Humanität Krieg führen, den Sieg verleihen. Das Telegramm schließt mit den Worten: Wir haben mit großem Vertrauen die Waffen ergriffen, um für Millionen Unschuldige die Freiheit zu erringen. 2)

Ein General in Neubabelsberg


PETER HAHN






Für den türkischen Schriftsteller Orhan Pamuk, ausgezeichnet mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, sind bei den zwischen 1915 und 1917 "verübten Massakern etwa 30 000 Kurden und eine Million Armenier getötet worden", doch niemand außer ihm wage es, darüber zu sprechen.Das stimmt nicht ganz, weil der Potsdamer Pfarrer Johannes Lepsius bereits 1915 beim obersten türkischen Kriegsherren Enver Pascha um Milde für die Armenier bat. Franz Werfel hat 1933 in seinem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" noch einmal nachgesetzt. Sein fünftes Kapitel stützt sich auf die historische Überlieferung dieser Begegnung. Lepsius besaß Aufzeichnungen von Missionaren, die Augenzeugen der grauenhaftesten Vorgänge waren. Er beschwor Enver Pascha, es genug sein zu lassen. "Sie haben ein Exempel statuiert, wie es in der Geschichte nicht wieder zu finden ist. Hunderttausende leben und sterben auf den Landstraßen des Ostens. Sie wollen ein neues Reich gründen, Exzellenz. Doch der Leichnam des armenischen Volkes wird unter seinen Grundmauern liegen. Ließe sich nicht noch jetzt ein friedlicher Weg finden?"Enver Pascha blieb ungerührt. "Wer sich in die Politik einlässt, muss zwei Eigenschaften besitzen. Erstens einen gewissen Leichtsinn oder, wenn Sie wollen, Todesverachtung, was ja dasselbe ist, und zweitens den unerschütterlichen Glauben an seine Entschlüsse, wenn sie einmal gefasst sind. Wenn ich einem Fremden gestatte, den Armeniern Hilfe zu bringen, schaffe ich damit einen Präzedenzfall, der die Einmischung fremder Persönlichkeiten und damit ausländischer Mächte anerkennt. Ich mache also meine ganze Politik zunichte. Die Armenier selbst würden sich nicht mehr zurechtfinden. Zuerst bestrafe ich ihre hochverräterischen Träume und Hoffnungen, dann aber sende ich einen ihrer einflußreichsten Freunde zu ihnen, um diese Hoffnungen und Träume wieder zu erwecken. Nein, mein Herr Lepsius, das ist unmöglich, ich kann nicht gestatten, dass Ausländer diesen Leuten Wohltaten erweisen. Die Armenier müssen in uns allein ihre Wohltäter sehen."

Enver Pascha war Politiker, General und Kriegsminister des Osmanischen Reichs und jungtürkischer Nationalist. 1909 kam er als Militärattaché nach Berlin. Drei Jahre wohnte er in Klein Glienicke. In dieser Zeit entwickelte er maßgeblich die engen deutsch-türkischen Bündnisbeziehungen. Da er mit Hilfe preußischer Militärberater und modernen deutschen Waffen das osmanische Militärwesen reformieren wollte, genoss er als Initiator und Garant des Militärbündnisses hohes Ansehen und außerordentliche Popularität. Das führte dazu, dass der 1906 von Babelsberg nach Klein Glienicke errichtete Straßenübergang 1915 den Namen "Enver-Pascha-Brücke" erhielt.1911 verließ er Berlin. Durch einen blutigen Putsch kam er in seiner Heimat an die Macht - mit nahezu diktatorischen Vollmachten. Er erwirkte 1914 schließlich das Zusammengehen mit Deutschland und Österreich-Ungarn im Ersten Weltkrieg, wo unter seinem Oberfehl Hunderte preußische Offiziere und Tausende deutsche Soldaten in der türkischen Armee dienten. 1915 verschärfte er den Staatsterror gegen die Armenier, die der Kollaboration mit dem russischen Kriegsgegner beschuldigt wurden. Seine rigorose Kriegsführung zerrüttete den inneren Zusammenhalt des Vielvölkerstaates und machte die Araber zu entschiedenen Gegnern des Osmanischen Reichs. Nach dem Ende des Weltkrieges musste Enver Pascha fliehen. Er fand Unterschlupf in Neubabelsberg bei dem befreundeten Kunsthistoriker Friedrich Sarre, dem Direktor der Islamischen Abteilung des Berliner Kaiser-Friedrich-Museums. Zwei Jahre später schlug er sich nach Buchara durch, um mit seinen pantürkischen Anhängern in Buchara, Ferghana und Chiwa ein neues Kalifat mit Sitz in Samarkand zu errichten. Den Rest besorgte die Rote Armee. Am 4. August 1922 fiel Enver Pascha bei Baldschuan, nahe der tadschikischen Hauptstadt Duschanbe.Als die Sieger des Schinkelwettbewerbes 2005 ihre preisgekrönten Arbeiten für den Neubau von Parkbrücke und Enver-Pascha-Brücke präsentierten, war weder etwas über diese Geschichte noch über eine Namensänderung zu hören. Dabei hatte Brandenburg 2002 als erstes Bundesland den Völkermord an den Armeniern auf den Lehrplan gesetzt. Bekannt wurde auch, dass nach einer Intervention des türkischen Generalkonsuls die entsprechende Stelle zuerst gestrichen, später jedoch nach Protesten der Öffentlichkeit in geänderter Form wieder aufgenommen wurde.

Berlin´de Enver Pasa Köprüsü

Die "Enver-Pascha-Brücke" wurde im Zweiten Weltkrieg 1945 zerstört und soll wieder aufgebaut werden. In Deutschland genoss Enver Pascha als Initiator und Garant des Militärbündnisses mit dem Osmanischen Reich hohes Ansehen und außerordentliche Popularität, wenn auch militärische Kenner der osmanischen Verhältnisse Enver überaus kritisch bewerteten. In literarischer Form wurde Envers Mitschuld am Völkermord an den Armeniern in dem Roman "Die vierzig Tage des Musa Dagh" von Franz Werfel beschrieben, der – mit Bezug auf eine authentische Begebenheit – die Begegnung des Kriegsministers mit dem deutschen Geistlichen, Orientkenner und Armenierfreund Johannes Lepsius schildert und Enver dabei als kaltlächelnden Massenmörder zeichnet. Während des Ersten Weltkriegs dienten unter Envers Oberbefehl um die 800 preußische Offiziere und mehrere tausend deutsche Soldaten in der türkischen Armee. Als Militärattaché hatte er vor dem Krieg längere Zeit in Klein-Glienicke gewohnt, so dass ihm zu Ehren 1915 diese von Babelsberg nach Klein-Glienicke führende Brücke seinen Namen erhielt



Entwurf der Brücken zwischen Babelsberg und Klein Glienicke
Enver-Pascha-Brücke



Die 1906 errichtete Straßenbrücke wurde 1945 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Der Ersatzbau muss die Kanalverbreiterung überbrücken, die alten Widerlager können bzw. müssen entfallen. Die ursprüngliche Nutzbreite der Brücke wird auch für den Neubau beibehalten: Zwei Gehwege begleiten eine Fahrbahn. In der Mitte verbreitern sich die Gehwege zu Aussichtskanzeln
Parkbrücke
Sie wurde 1906 als Fußgängerbrücke errichtet und dient seit 1980 mit einem neuen provisorischen Überbau als Ersatz für die zerstörte Enver-Pascha-Brücke dem Straßenverkehr. Der durch die Kanalverbreiterung erforderliche Ersatzbau soll aber wieder wie früher nur eine Geh- und Radwegbrücke mit Parkanbindung sein.

09 Nisan, 2007

DARBELER






















Bu sayfada, son dönem Türk Tarihi'nin çok önemli bir isminin, Birinci Dünya Savaşı yıllarının Harbiye Nazırı ve Başkumandan Vekili olan Enver Paşa'nın 1908 öncesinde Rumeli köylülerini İkinci Abdülhamid'in iktidarına karşı örgütlemesi ile ilgili olarak günlüklerine yazdıklarının bir bölümüyle bazı muhtıra örneklerini günümüzün Türkçesi'ne naklederek veriyorum. Okuyun ve Örnek Paşa'nın darbe günlüğü konusundaki düşüncelerimin doğru olup olmadığına siz karar verin. Tarihimizden zarif muhtıra örnekleri * AHLÂKSIZ, HIRSIZ, ALÇAK!
"...Aramıza fesat ve nifak ekmek, halkı kanlara boyayarak sefih idarenize devam etmek istiyorsunuz. Ahlâkınızı, hırsızlığınızı, alçaklığınızı ve namussuzluğunuzu zaten bütün cihan bilmektedir. Bu hareketinizle meşrutiyete ve milletin saadetine ne derece düşman olduğunuzu isbat ettiğiniz için, çevirmek istediğiniz dolaplar feci bir şekilde başınıza ve ailenize dönecektir. Bundan kesinlikle şüphe etmeyin. Millet zalimlerin ve hainlerin cezasını vermekte artık asla tereddüt etmeyecek, iktidarın başında bulunanları namus ve hamiyyet yoluna çevirecek ve sonra yaşatmayacaktır. Allah izin verirse bu sözümüzün ne kadar doğru olduğunu zat-ı devletleri de tecrübe edeceklerdir. ...Ahlâkınızın ve alçaklığınızın artık düzelmeyecek bir hale geldiğini biliyoruz. Derhal istifa edip o kıymetli makamı kirletmeyiniz. Hayatınızı devam ettirmenizin başka yolu yoktur" (Deniz subaylarının, İkinci Meşrutiyet'ten hemen sonra, 1908 Eylül'ünde Abdülhamid'in Bahriye Nazırı (Denizcilik Bakanı) Hasan Râmi Paşa'ya gönderdikleri tehdit mektubu). * KERHANEDEN YETİŞMİŞ DEYYUS!
"...Başbakanlık makamında bulunan alçağa: Size, bir önceki telgrafımızla yirmi dört saat mühlet vermiştik ama rezil vücudunuzla pislettiğiniz makamlardan çekildiğinize dair henüz bir işaret almadık. Bundan büyük memnunluk duyduk, zira böylelikle tertip edeceğimiz cezayı hak ettiğinizi kendi kendinize göstermiş oldunuz. İhtimal ki orada bulunan bir takım kerhaneci evlâtları ilk telgrafımızı size vermediler. O telgrafı alınız ve okuyunuz. ...Okumadığınız takdirde Allah'ın lâneti ve ananızın donu başınıza geçsin! Okumayanların ve bu telgrafları vermeyenlerin hepsi kerhaneden yetişmiş en büyük deyyuslardır. ...Sizi açlıktan öldürmek de, cezanızı ateş, kurşun ve bıçakla vermek de elimizdedir!" (18. Tümen'den 1908'de Sadrazam Tevfik Paşa'ya çekilen telgraf). "Hainin kanı helâl olsun mu? Olsuuun!" "...ŞİMDİYE kadar, bir çok yerler elimizden gitti. Tuna Vilâyeti, Bosna ne oldu? Oradaki ahâlinin canlarını kurtarmak içün mallarını bırakarak kaçtıklarını bilirsiniz. Bunlar ne oldu? Geldiler, bu yerlere sığındılar. Fakat, çoğu aç, çıplak. İşte, şimdi bizim de başımıza bu belâlar gelecek gibi görünüyor. Hükümetin yolsuzluğu yüzünden, görüyorsunuz, ecnebi subaylar geldi. Yarın, öbür gün buralarını "Biz işimizi göremiyoruz" diye parçalamaya kalkışacaklar. O vakit biz ne olacağız? İSTANBUL'U DÜZELTECEĞİZ!
Artık bizim için gidecek yer yok. Denize döküleceğiz veya düşmanların ayakları altında çiğneneceğiz. Böyle zamanda karı gibi ölmekten ise, işlerimizi düzeltmek içün erkekçe şimdi ölmeyi göze almak daha iyidir, değil mi? Eğer biz böyle çalışırsak başarmış olarak ölürüz, böylece hiç olmazsa kalanlarımız rahat eder, evlâdımız bize rahmet okur. Neyi düzelteceğiz bilir misiniz? İstanbul'daki idareyi... Gayet iyi bilirsiniz ki, İstanbul'da birçok memurlar hiç iş görmedikleri halde binlerce lira alıyorlar. Hafiyelere binlerce lira beyhude veriliyor. Bu yüzden birçok evler kapanıyor. Sizin yalın ayak, başı kabak çalışarak ektiğiniz ekinlerden alınan paralar hep böyle gidiyor. İstanbul'a gidenleriniz bilirler, orada on yaşındaki çocuklara albaylık veriliyor. Tikveşli Hoca 150 lira maaş alıyor, kardeşi okuma-yazma bilmezken, Maarif Meclisi'nde 50 lira alıyor. ...Bu paralar ne olacak? Hani yollarınız? Hani okullarınız? Askere gönderdiğiniz çocuklarınız, kardeşleriniz çırılçıplak dağ başlarında koşuyor, ölüyor. İstanbuldakiler ise zevk ve safâlarında. Mahkemeye giderseniz derdinizle ilgilenen çıkmaz. Bakın Bulgarlar'a, bu kadar ölüyorlar, yine çalışıyorlar. Hükümette memurlar onların işlerini görüyor fakat, size bakan bile yok. O halde biz de çalışalım. İstanbul'daki bu keyfidareyi kaldıralım. KUR'AN'LI VE SİLÂHLI YEMİN
Padişah, Hazret-i Peygamber'den akıllı değil ya! Peygamberimiz efendimiz, etrafına danışmadan birşey yapmazdı. Hep sahabesi ile konuşurdu. Biz bu yoldan ayrıldık. Otuz sene evvel toplanan Meclis'i İstanbul'da dağıttılar. Biz işte yine bu Millet Meclisi'nin toplanmasını isteyelim. Böylece, verdiğimiz paraların nerelere gittiğini soracak vekillerimiz olsun. Bunlara sormadan padişah kendiliğinden, öyle her istediğini yapmasın. Böyle olursa, adalet olur, adalet olan yerde de din, vatan, millet selâmet bulur! ...Anam, babam, kardeşlerim var. Hepsini bıraktım. Ben bu iş için çalışacağım. Siz de benimle beraber ölünceye kadar canınızla, malınızla çalışacağınıza söz veriyor musunuz? Köylüler, bir ağızdan: - Veririz! -Eğer, içinizde sözünü tutmayan veyahut hainlik eden bulunursa, bu gördüğünüz bıçak ve revolverle öldürülürseniz, kanınızı helâl eder misiniz? - Ederiz! - Yemin eder misiniz? - Ederiz!
Köylüler, bunun üzerine sağ ellerini şânı yüce Kur'an'ın, sol ellerini de tabanca ve kasaturanın üzerine koyup Allah'ın ismini zikrederek geçtiler." 34 YAŞINDA ORDULARIN BAŞINA GEÇTİ.... Enver Paşa'nın 1917'de çekilmiş ve bugüne kadar yayınlanmamış sivil bir fotoğrafı. Paşa, 1908'deki İkinci Meşrutiyet'i takip eden yıllarda saraya damat olmuş ve "Başkumandan vekili" yapılmıştı.












(Sabah)

YAPILAMAYAN DARBE ??

Darbe günlüğü ile ilgili son iddialar Nokta'nın Genel Yayın Müdürü, darbe planlarının Genelkurmay arşivinde olduğunu ve soruşturma açılması halinde bunların çıkacağını savundu. Görmüş'e göre yeni belgeler de var.
09 Nisan 2007 15:33


İşte Radikal'den Neşe Düzel'in Alper Görmüş ile yaptığı röportaj...
NEDEN? ALPER GÖRMÜŞ
Türkiye iki haftadır bir darbe planını tartışıyor. Nokta dergisi, emekli Deniz Kuvvetleri Komutanı'nın günlüklerini yayımlayarak 2004 yılındaki iki ayrı darbe planını ortaya çıkardı. Dönemin kuvvet komutanlarının, özellikle de eski Jandarma Komutanı'nın darbe yapmak için ciddi çalışmalar yaptığı, toplantılar düzenlediği, planlar hazırladığı anlaşıldı. Amiral Özden Örnek'in günlüklerinin yayımlanmasından sonra Başbakan Erdoğan savcıları harekete geçmeye davet etti. Ancak darbe yerine günlüklerin nereden sızdığı, hangi amaçla yayımlandığı gibi konular öne çıkarıldı. Türkiye Anayasası'na göre cezası çok ağır olan darbeyi planlamakla suçlananlar hakkında ciddi bir soruşturma başlatılmadı. Amiralin günlüklerini ortaya çıkaran Nokta'nın genel yayın müdürü Alper Görmüş'le 2 bin sayfalık günlüklerin gerçekliğini, neler yazılı olduğunu, nasıl ellerine geçtiğini, yeni ne tür gelişmeler beklendiğini konuştuk.
Örnek, Star'da Şamil Tayyar'a 'Her görevimde günlük faaliyetlerimi bilgisayara şifreli not ettim. Ama canımın yanacağını bildiğimden, üniformayı çıkarmadan hemen önce bunları sildirdim' dedi
Darbenin planı Genelkurmay arşivinde var. Darbeyle ilgili yeni belgeler çıkacak. Bilgiler ordunun içinden de gelebilir. Devlette hiçbir yapı yekpare değil. Ülke değişirken, çatışma çok güçlü
Ankara Ticaret Odası Başkanı Aygün, yılda iki kez komutanlara brifing veriyor. ATO'da ulusalcı gösteriye dönüşen hilafet toplantısı için 'Paneli el altından biz teşvik ettik' diyor Örnek Amiral Özden Örnek'in günlükleri size ne zaman geldi? Mart ayı başında bize geldi. Siz, emekli Deniz Kuvvetleri Komutanı'nın bu günlüklerini 29 Mart tarihli Nokta dergisinde yayımladınız. Günlüklerin kimden geldiğini, kaynağınızın kim olduğunu sormayacağım ama şunu soracağım. Size bu dosyayı getiren, tanıdığınız, güvenilir biri miydi? Evet. O kişiyle ilgili, 'Bu konuda biz yanıltılmıyoruz' duygusuna sahiptik. Günlükler, 2 bin sayfalık bir dosya olarak mı ulaştı size? Evet, yaklaşık o kadar. Bu dokümanı incelemek, anlatılan olayları, olguları tek tek kontrol etmek, dönemin gazetelerinde çıkan haberlerle günlükteki olayların uyuşup uyuşmadığının karşılaştırmasını yapmak birkaç haftamızı aldı. Taramalarımızda uyuşmayan tek bir şeye rastlamadık. Emekli Amiral Özden Örnek, bu günlüklerin kendisine ait olmadığını söylüyor. Siz, günlüklerin ona ait olduğundan emin misiniz? Eminiz. Nasıl emin olabiliyorsunuz? Günlüklerdeki olaylara, olgulara, ayrıntılara baktığınızda, bunları kontrol ettiğinizde ve bir de kullanılan dili dikkate aldığınızda emin oluyorsunuz zaten. Çok ayrıntılı bir doküman bu. Dört kuvvet komutanının darbe yapmayı aralarında uzun uzun nasıl tartıştıkları, Deniz ve Kara Kuvvetleri komutanlarının zaman içinde darbe fikrinden nasıl uzaklaştıkları, darbe yapılmaması için Hava ve Jandarma komutanlarını nasıl ikna etmeye çalıştıkları ayrıntılarıyla anlatılıyor. Ayrıca emekli Oramiral Özden Örnek'in günlükleri bizim elimize geçtiğinde, 'Denizciler' adındaki bir internet sitesinde çok küçük bölümüyle yayımlanıyordu. O site sonra kapatıldı değil mi? Evet. Ama Star gazetesi sitenin bu yayınını manşet yaptı. Şamil Tayyar, günlüklerin o kısmında adı geçen 10-12 kişiyle görüştü ve anlatılanları doğruladı. Bizim yayınımızdan sonra 'Deniz Kuvvetleri Komutanlığı dönemim de dahil olmak üzere ben hayatımda hiç günlük tutmadım' diye kısacık bir açıklama yapan Amiral Örnek, kısa süre önce Şamil Tayyar'a yaptığı açıklamada ise, ki bu açıklama Örnek'in ağzından 14 Mart'ta Star'da yayımlandı, Örnek aynen şunu söyledi. Ne dedi? 'Her çalıştığım yerde Kasımpaşa'da, Donanma'da, Ankara'da, Deniz Kuvvetleri komutanlığı'nda görev yaparken günlük faaliyetlerimi günü ve saatini belirterek not ettim. Ayrıca özel faaliyetlerimi de not ederim. Bu notlar sadece bana ait olan bilgisayarda görülürdü, şifreliydi. Görev sürem dolup ayrılırken, henüz üniformamı çıkarmadan bir-iki gün önce bu faaliyet notlarımın tamamını bilgisayardan sildim. Yani öyle 'delete' tuşuna basarak değil. Canımın yanacağını bildiğim için, bulunmasın, okunmasın diye üstünü yazdırarak sildim' dedi. Birileri şifreli de olsa günlükleri ele geçirmiş. Eğer gerekirse, bu belgelerin amirale ait olduğunu kanıtlayabilecek misiniz siz? Dokümanın tamamı, bunların amirale ait olduğunun yeterince bir kanıtı zaten. Ciddi bir soruşturma yürütülürse, günlüklerin gerçek olduğu kolayca ortaya çıkar. Böyle bir soruşturmada tanıklar olacaktır. Başka istihbari çalışmalar soruşturmaya eklenecektir. Anlamadım... Sonuçta devlet denilen yapı yekpare bir blok değil. Biz gazeteciler de bilgilere böyle ulaşıyoruz. Çünkü devlette sadece kurumlar arasında rekabet yaşanmıyor, her kurumun kendi içinde de çıkar ve güç çatışmaları, düşünce farklılıkları, yarılmalar var. Soruşturma açıldığında, darbe iddialarıyla ilgili başka belge ve bilgiler ortaya çıkacak. Bu bilgiler Silahlı Kuvvetler'in içinden de gelebilir. Dedim ya, hiçbir yapı yekpare değil. Günlüklerde 2003-2004 döneminde iki darbe girişiminde bulunulduğu açıklanıyor. Birincisi, dört kuvvet komutanının katıldığı 'Sarıkız' denilen darbe girişimi. İkincisi, Sarıkız'ın akamete uğramasından sonra aralarında en şahin görünen Jandarma Genel Komutanı Şener Eruygur'un tek başına yürüttüğü 'Ayışığı' darbe girişimi. Bu darbeyi Powerpoint sunumlarla örgütlüyor. Biz bu sunumları başka bir kaynaktan elde edip yayımladık. Genelkurmay Başkanı'nın da bu darbe planından haberi var. Dönemin Genelkurmay Başkanı Hilmi Özkök, bu darbe girişimlerini destekliyor mu? Mesela 'Ayışığı'yla ilgili olarak, Deniz ve Kara Kuvvetleri komutanlarına, 'Jandarma Genel Komutanı'nın böyle bir darbe girişiminde bulunduğunu biliyorum. Elimde darbenin planı var. Bu, açık bir suçtur. Bundan kaçamayız. Bu darbe planını Genelkurmay arşivine koyuyorum' diyor. Demek ki, ikinci darbe girişiminin dosyaları Genelkurmay arşivinde var. Soruşturma açılsın ve Genelkurmay'ın arşivinden bu dosyalar istensin. Ayrıca ikinci darbe girişimiyle ilgili olarak Deniz Kuvvetleri Komutanı Özden Örnek'le Kara Kuvvetleri Komutanı Aytaç Yalman aralarında konuşurlarken, 'MİT'in de, hükümetin de haberi varmış' diyorlar. Soruşturma aşamasında bu bilgiler, istihbaratlar gizlenemez. Ciddi bir soruşturmada hepsi ortaya çıkacak. Peki amiral Özden Örnek, Nokta dergisine dava açtı mı? Biz geçen perşembe gününe kadar Özden Örnek'in bu konuda hiçbir girişimde bulunmadığını biliyorduk. Çarşamba akşamı Başbakan Suriye gezisinde Nokta dergisinin haberiyle ilgili bir soru üzerine gazetecilere, savcıların harekete geçmesi gerektiğini söyledi. Ertesi gün Bakırköy Cumhuriyet Savcılığı'nın soruşturma açtığı öğrenildi. Biz darbe girişimiyle ilgili nihayet bir soruşturma başlatıldı sandık. Oysa Nokta'yla ilgili bir soruşturma başlatılmış. Üstelik bizimle ilgili bu inceleme, haberi yayımladığımız tarih olan 29 Mart'ta başlatılmış. Hatta savcılık dergiyi toplatmak istemiş ama mahkeme reddetmiş. Aynı gün amiral de avukatı aracılıyla Nokta hakkında suç duyurusunda bulunmuş. Savcılık bu başvurusuyla da ilgili hakkımızda inceleme başlatmış. Biz bunları yeni öğrendik. Amiral sizi neyle suçluyor? Günlükler benim değil diyor. Hakkımızda TCK'nın 318 ve 319'uncu maddelerden dava açılmasını istiyor. Halkı askerlikten soğutma ve askerleri emre itaatsizliğe teşvik etme suçları bunlar. Şaşırdık. Bakırköy Savcısı'na ben bugün ifademi vereceğim. Halka darbe girişimlerini duyurmakla halkı askerlikten soğutmak arasında nasıl bir bağ kurulabildiğini soracağım. Siz eski kuvvet komutanlarının darbe hazırladıkları konusunda ikna oldunuz mu? Tabii... Birinci darbe girişimi olan Sarıkız operasyonunu Hasan Cemal adını vererek 2004'te yazdı. Murat Yetkin de o günlerde dört kuvvet komutanı Gölbaşı'nda toplanıyorlar diye yazılar yazmıştı. Hatta o günlerde Kıbrıs, Annan Planı için referandum sürecine girmişti. Denktaş'ın da gittiği New York'ta, Rumlarla Kıbrıs görüşmeleri yapılırken, bir cuntacı profesör kalkıp, 'Bekleyin. Bir saat içinde askerler muhtıra yayımlayacak' diyor. Aslında dört komutanlı Sarıkız darbe girişimi 2003 yılında başlıyor. Nasıl başlıyor? Özden Örnek'in, 30 Ağustos 2003'te Deniz Kuvvetleri Komutanı olacağı kesinleşince, Kara Kuvvetleri Komutanı Aytaç Yalman onu ziyarete gidiyor. 'Senden önceki komutan Bülent Alpkaya'yla bu işleri konuşmuyorduk. Sen Ankara'ya gel de konuşalım' diyor. O sırada ikisi de darbeye istekli. Nitekim, amiral Ankara'ya gelip, diğer kuvvet komutanlarıyla ilk görüşmeleri yaptıktan sonra, deniz kuvvetleri komutanı olarak günlüğüne ilk notunu Eylül 2003'te yazıyor. Ne yazıyor? 'Anladım ki bundan sonra bahriye işlerinden çok siyasi işleri konuşmaya başlayacağız' diyor. Kuvvet komutanlığı dönemi bu cümleyle başlıyor. Nitekim darbe görüşmelerinin ardı arkası kesilmiyor. Sürekli toplanıyorlar. Günlüklerin benim için en çarpıcı yanı şu oldu. Askerin asli görevini çok az yaptığını, tamamen günlük siyasetin içinde olduğunu, bu konuda siyasetçiden hiçbir farkının olmadığını gördüm. Sonra niye darbe yapmaktan vazgeçiyorlar? Şunu söylüyorlar. Bir, Amerika desteklemiyor. İki, basın desteklemiyor, Üç, halk 12 Eylül'deki gibi gel kurtar beni demiyor. Bir de en önemlisi Kara Kuvvetleri Komutanı bütün birlikleri dolaşıyor. Yurt çapında bütün kor ve orgenerallerle konuşuyor ve Özden Örnek'e durumu şöyle anlatıyor. 'Hepsi de memleketin iyiye gitmediğini, bu iktidarın laikliğe karşı bir öz taşıdığını düşünüyor ama hiçbiri bu gidişin bir darbeyle kesilmesini istemiyor' diyor. Kara ve Deniz, Sarıkız'dan böylece vaz-geçiyor. Nitekim Örnek, sonra şunları yazıyor: 'Jandarma Genel Komutanı'yla (Şener Eruygur), Hava Kuvvetleri Komutanı (İbrahim Fırtına) bize hâlâ bozuklar. Amaçları illa ki darbe yapalım ve AKP'yi uzaklaştıralım. Yapalım da Kara Kuvvetleri olmazsa nasıl olur, bunu düşünen yok. Hava Kuvvetleri Komutanı'nı fena bozdum. Zira vatanını sadece o seviyor ve ona destek verilmiyormuş pozlarında. Üstelik ne söylediğini kendisi de anlamıyor. Eruygur hâlâ darbeye ümidini bağlamış durumda. Bana çok erken çözüldük. Direnmeliydik demez mi?' Bu belgelerin Amerika üzerinden geldiği söyleniyor. Amerika üzerinden mi geldi? Hayır. Belgeyi sızdıranların Fethullahçılar olduğu söyleniyor. Fethullahçılar mı bu belgeyi buldu? Aslında bu soruların muhatabı değilim. Sonuçta şu kadarını söyleyebilirim. Devlet içindeki birtakım güçlerin çatışmasının sonucunda gazetecilere bazı haberler sızıyor. Türkiye değişiyor, dönüşüyor ve devlet içindeki bu çatışma çok güçlü yaşanıyor. Daha çoook haber sızacak gazetecilere. Hatta Avni Özgürel'in söylediği gibi ordunun kendi asli görevini yapmasını ve böylece güçlü bir ordu olmasını isteyen ordu mensupları da ordudaki bu girişimleri medyaya sızdırmış olabilir. Yayımladığınız günlüklerde darbe yapmak konusunda en inatçı komutanın eski Jandarma Komutanı Şener Eruygur olduğu söyleniyor. Ayın 14'ünde Başbakan Erdoğan'ın cumhurbaşkanlığını engellemek amacıyla Ankara'da düzenlenecek olan mitingin organizatörü de aynı emekli komutan. Bu iki olay arasında bir bağ var mı sizce? Bence var. Eruygur, Atatürkçü Düşünce Derneği'nin başkanı ve yürüyüşe de bu dernek öncülük ediyor. Zaten bu günlükleri okuduktan sonra günümüzdeki kitlesel eylemlerin sivilliğine inanmak çok zor artık. Türkiye'de doğrudan darbe yapmak artık mümkün değil. Ordu sivil toplumu kullanarak siyasete müdahale etme konseptini geliştirdi. Böylece belli bir meşruiyet sınırı içinde kalınarak yönetime müdahale edilecek. Bütün bu konsept değişikliklerini günlüklerde okuduktan sonra, STK'ların faaliyetleriyle ilgili artık kuşkum var benim. Kitlesel sivil eylemlerin ciddi manipülasyonlara tabi tutulduğu kanaatindeyim. Nitekim Nokta'nın son sayısında 2004'te Genelkurmay'da hazırlanan 'STK'larla işbirliği' belgesini yayımladık biz. Kamuoyunu etkileme, yönlendirme konusunda Genelkurmay'ın hangi sivil toplum kuruluşlarıyla işbirliği yapılabileceğine, STK'ların nasıl kullanılabileceğine dair bir çalışmasıydı bu. Cuma günü Genelkurmay'dan aradılar. Genelkurmay soruşturma başlatmış, haberin dokümanlarını istediler. Verecek misiniz peki? Hayır. Genelkurmay-STK işbirliği planını dosya numarasına kadar haberde verdik zaten. STK'lara dönersek... Ankara Ticaret Odası Başkanı Sinan Aygün yılda iki kez gidip komutanlara brifing veriyor. Mesela günlüklerde Ankara Ticaret Odası'nda hilafetin kaldırılmasının yıldönümü nedeniyle düzenlenen ve ulusalcı-siyasi bir gösteriye dönüşen, kuvvet komutanlarının eşleriyle katıldığı toplantı için Örnek şunları yazıyor: "Bu paneli el altından biz teşvik ettik. Coşkulu ve tatmin edici bir toplantı oldu. Salona girdiğimizde bizi alkışladılar, Cumhuriyet'in koruyucuları diye sloganlar attılar.' 6 Aralık 2003'te de Örnek, Sarıkız'ın nasıl planlandığını da şöyle anlatıyor: 'Kendimize göre bir eylem planı yapmaya karar verdik. Önce basını ele geçirmeye çalışacaktık. Bu nedenle ben M.Ö.'yü davet edecektim. (Mustafa Özkan olduğu anlaşılıyor) Sonra rektörlerle temas edip öğrencileri sokağa dökecektik. Sendikalarla aynı şekilde hareket edecektik. Sokaklara afiş astıracaktık. Derneklerle temas edip onları hükümet aleyhine teşvik edecektik. Bu olayları yurt çapında yapacaktık." Aslında Örnek ilginç biri.. Hangi açıdan ilginç? Liberal eleştirileri var. Mesela Atatürkçülükle ilgili olarak, 'Bir taraftan İslamiyet'in günün şartlarını karşılamadığını, reform geçirmesi gerektiğinden bahsederken, diğer taraftan sanki Atatürkçülük ilelebet yaşayacakmış gibi davranıp ilkelerini tartışmaya dahi açmıyoruz. Tabii o zaman bu ilkeler bir yol gösterici olmaktan öteye dogma haline geliyor' diyor. Günlüklerinin bir yerinde de, 'Ordu içinde biz kendimizi çok önemsiyoruz ve sivilleri küçümsüyoruz. Sivillerin yurt sevgisi eksiktir. Çoğunlukla onlar vatanlarını ve milletlerini düşünmeden şahsi yararlar için hareket ederler. Onlar tembeldirler. TSK'daki herkes çok çalışır ve fedakâr oldukları için de her şeye layıktırlar diye düşünüyoruz. Bu düşünceyle nereye varılabilir?' diyor.. Gazetecilerin akreditasyonu meselesini de askerin sivillere bakışının bir uzantısı olarak görüyor. Akreditasyona karşı mı çıkıyor? 'Akredite basın konusu, Genelkurmay Başkanlığı tarafından icat edildi. Bu tutum yasalara ve Anayasa'ya bile aykırıdır. Sivile bakış açımız değişmedikçe, tutumlarımızdaki değişme aldatmadan başka bir şey olamaz' diye yazıyor. Bu arada karacıları da yetersiz buluyor ve 'Bu toplumu Kara Kuvvetleri'nin etkisinden kurtarmak lazım. Devletin her kesiminde kendi düşünceleri hâkim olsun, herkes kendileri gibi düşünüp kendileri gibi hareket etsin istiyorlar. Harbiye marşıyla yatıp Harbiye marşıyla kalkıyorlar' diyor. Peki savcılar darbeyle ilgili soruşturma açma konusunda biraz çekingen mi davranıyorlar sizce? Başbakan'ın çağrısına rağmen savcılardan ciddi bir hareket olmadı. Eeee, bu ülkede daha önce kaç savcının başı belaya girdi tabii. Evren'e dava açan savcının başına gelmedik kalmadı. Şemdinli'yi soruşturan Van Savcısı meslekten atıldı. Van Savcısı'nın başına gelenlerden sonra bir savcının kalkıp komutanlar hakkında dava açması artık çok zor bu ülkede. Bunda siyasi iktidarın büyük sorumluluğu var. Van Savcısı'nı bu hükümet görevden aldı. Şimdi de Başbakan darbeyi soruşturacak savcı arıyor. Şemdinli'de görevini yapan savcıyı kim görevden aldı diye sormazlar mı kendisine?
Radikal